VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Kin (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Eine ungewöhnliche, aber gelungene Mischung aus Sci-Fi-Action und Sozialdrama bietet das Spielfilmdebüt der Regisseure Jonathan und Josh Baker. Die Zwillingsbrüder behandeln darin das Thema der familiären, speziell der brüderlichen Verbundenheit, worauf schon der Titel, der übersetzt Sippe oder Verwandtschaft bedeutet, hinweist. Dass man sich seine Familie nicht aussuchen kann, dass sie einen ins Unglück zu stürzen, aber auch Halt und Kraft in schwerer Lage zu geben vermag, ist der rote Faden dieser Geschichte, die auf dem Kurzfilm "Bag Man" der beiden Regisseure basiert.

Eli fühlt sich zum Teil wie ein Außerirdischer in dieser auseinanderfallenden Familie, die ihn einst aufnahm. Vor allem versteht er nicht, was auf einmal vor sich geht, warum sein Vater nicht mehr ans Telefon geht und sein Bruder mit ihm Ferien am fernen Lake Tahoe machen will. Dass er dann auch tatsächlich Außerirdische auf sich aufmerksam macht, weil er eine ihrer Waffen mitgenommen hat, verleiht der rauen, teilweise sehr geerdet wirkenden Handlung einen spannenden, rätselhaften Kontrast. Das Geheimnis, wie das alles zusammenhängt, wird erst ganz am Schluss der Coming-of-Age-Geschichte gelüftet, die überwiegend im Gewand eines Actionthrillers daherkommt. Auf ihrer Fahrt durch Amerika schlägt Jimmys kindische, verantwortungslose Natur durch, er nimmt Eli mit in einen Stripclub, bringt ihn in Gefahr. Eli muss bald schon seine neue Waffe herausholen, denn anders ist seinem großen Bruder nicht mehr zu helfen, der sich überall in Schwierigkeiten bringt. Manchmal braucht es eben sozusagen höhere Gewalt, einen Eingriff von außen, ein Wunder, um den Teufelskreis des Unglücks zu durchbrechen.

Der junge Darsteller Elis überzeugt neben den älteren Darstellern. Sein unschuldiges Spiel schafft ein interessantes Gegengewicht zu den ruppigen, prekären oder kriminellen Charakteren, wie sie besonders eindrücklich von Dennis Quaid und James Franco verkörpert werden. Zoë Kravitz spielt eine Stripperin, die sich Eli und Jimmy anschließt und mit Eli das Gefühl der Einsamkeit teilt, das eine kaputte Herkunftsfamilie verursacht. Auch atmosphärisch spielt das Kaputte eine große Rolle. Detroit wird als eine Stadt der Ruinen, des Niedergangs ins Bild gesetzt. Aber Eli und Jimmy besitzen dieses alte Foto, das sie mit den Eltern zeigt, als glückliche Familie. Solange sie einander haben, ist noch nicht alles verloren.

Fazit: Das Spielfilm-Regiedebüt der Zwillingsbrüder Jonathan und Josh Baker beeindruckt als spannende, reizvolle Mischung aus Science Fiction, Thriller-Action und Sozialdrama. Im Mittelpunkt stehen zwei ungleiche Brüder, die auf der Flucht vor mörderischen Verfolgern sind. Die Not ist so groß, dass der 14-jährige Held Eli von der außerirdischen Waffe Gebrauch machen muss, die er gefunden hat. Die guten schauspielerischen Leistungen und die raue, oft ausgesprochen realitätsnahe Stimmung gesellschaftlichen Niedergangs verleihen dem unterhaltsamen Film Substanz.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.