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Kritik: Der Fall Collini (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Der Fall Collini" liefert der deutsche Regisseur Marco Kreuzpaintner ("Sommersturm", "Beat") eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ferdinand von Schirach. Das Drehbuch von Robert Gold, Jens-Frederik Otto und Christian Zübert befasst sich mit den Herausforderungen eines jungen Rechtsanwalts, dessen Mandant scheinbar grundlos einen unschuldigen Mann ermordet hat. Erst allmählich entbergen sich die Hintergründe der Tat – und diese führen sowohl in die Zeit des Zweiten Weltkrieges als auch in die Jahre danach, in denen sich die Bundesrepublik Deutschland mit den NS-Verbrechen auseinandersetzen musste.

Die Stärken des Werks liegen in den Gerichtsszenen sowie in den Momenten, in denen der engagierte Strafverteidiger Caspar Leinen gründliche Recherchen betreibt, um den Motiven des schweigsamen Angeklagten auf die Spur zu kommen. Auch in den zunächst wenig fruchtbaren Gesprächen zwischen Caspar und dem inhaftierten Italiener Fabrizio Collini wird die nötige Spannung erzeugt. Die Erkenntnisse, die der Protagonist über Kriegsgräuel und den Umgang der deutschen Rechtsprechung mit den damaligen Taten zutage fördert, sind erschütternd. Der Film verliert allerdings immer dann an Kraft, wenn er die vergangenen Geschehnisse als Rückblenden in Szene setzt – mit Jannis Niewöhner in der Rolle des späteren Opfers Hans Meyer. Hier setzt Kreuzpaintner auf zu viele Darstellungsklischees und eine Melodramatik, die deutlich weniger überzeugt als die schnörkellose Sprache, in welcher der Schriftsteller und Jurist von Schirach die Geschichte in seinem Bestseller schilderte. Überdies fällt der Musikeinsatz im gesamten Film zu aufdringlich aus.

Elyas M'Barek zeigt indes in der Hauptrolle eine souveräne Leistung; er verkörpert Caspar als spürbar unerfahrenen, aber idealistischen und kämpferischen Mann. Ebenso spielt der 1941 geborene Franco Nero wie immer großartig.

Fazit: Ein Gerichtsdrama, das sich teilweise spannend und mitreißend der Nachkriegsjustiz und ihren Folgen widmet, jedoch oft ins Klischeehaft-Melodramatische abgleitet.




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