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Kritik: Assassination Nation (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Nicht zufällig spielt die Medien-Satire in Salem. In der gleichnamigen Stadt im US-Bundesstaat Massachusetts kam es Ende des 17. Jahrhunderts zu den berühmten Hexenprozessen. Dutzende Unschuldige wurden damals von einem aufgebrachten Lynchmob der Hexerei beschuldigt, verhaftet und hingerichtet. Gedreht wurde "Assassination Nation" von Sam Levinson, für den es erst der zweite Spielfilm ist. Sein Regiedebüt gab er 2011 mit der starbesetzten (Ezra Miller, Kate Bosworth u.a.) Tragikomödie "Another Happy Day". "Assassination Nation" wurde im Frühjahr 2017 in New Orleans gedreht.

Obwohl "Assassination Nation" überdeutlich Kritik an sozialen Medien, deren Oberflächlichkeit und der Schnelllebigkeit unserer hochtechnologisierten Gesellschaft übt, passt er sich in Sachen Stil, Dramaturgie und Inszenierung ganz den Sehgewohnheiten heutiger Jugendlicher an, die einer medialen Dauerbeschallung und Reizüberflutung ausgesetzt sind. Heißt: Er ist laut, grell, brutal, stylish, höllisch schnell geschnitten und extrem reißerisch. Ein akustischer wie visueller, chaotischer Wahnsinnstrip, der häufig Split-Screens und die Bildschirm-Ansichten jener Medien zur Erzählung nutzt, deren Bedeutung für den Alltag der Generation Z er kritisiert.

Natürlich bedient sich "Assassination Nation" bewusst provokanter, ja fast polemischer Bilderwelten und einer aggressiven Botschaftsvermittlung. Und er überzeichnet freilich rigoros, wenn die privatesten Bilder und Videos nicht nur einiger weniger Personen sondern von über 15 000 Einwohnern plötzlich für jedermann sichtbar macht. Doch mit dieser absichtlichen Übertreibung verweist er gekonnt und mit Nachdruck auf die Gefahren von Cyber-Mobbing. Außerdem betont er (wie es auch Lily an einer Stelle sagt), dass in unserer heutigen Zeit nichts mehr privat ist.

Fragwürdig sind jedoch die ausufernden, übertriebenen Gewaltexzesse und blutigen Akte der Selbstjustiz in der zweiten Hälfte, bei der Teenager gehängt, durch die Straßen der Stadt gehetzt und Gehirne mit Baseballschlägern oder Schaufeln zertrümmert werden. Und die Polizei steht alledem machtlos gegenüber. In diesen Momenten erinnert der Film hier und da an die sinnlosen, stilisierten Gewaltausbrüche der "Purge"-Filme.


Fazit: Exzessiver, gesellschaftskritischer Mix aus Thriller-Drama, Horror und Medien-Satire, der mit seiner schrillen, überhöhten visuellen Umsetzung im Gedächtnis bleibt – mit der entfesselten Brutalität allerdings über die Stränge schlägt.




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