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Kritik: Mandy (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dass der von Panos Cosmatos ("Beyond the Black Rainbow") inszenierte Horrorthriller "Mandy" hierzulande einen limitierten Kinostart erhält, ist dem auf abseitige Filmkunst spezialisierten Verleiher Drop-Out Cinema zu verdanken. Wenn möglich sollte man den bizarren Festivalliebling unbedingt auf der großen Leinwand sehen, da der von vielen Kritikern mit Lob überschüttete Streifen nur dort seine volle Ausdruckskraft entfaltet.

Während es auf Handlungsebene – der friedliebende Holzfäller Red Miller (Nicolas Cage) nimmt auf drastische Weise Rache an einer obskuren Sekte, die seine Freundin Mandy Bloom (Andrea Riseborough) ermordet hat – denkbar minimalistisch und abgedroschen zugeht, entpuppt sich die zweite Regiearbeit des Sohnes von "Rambo II"-Macher George Pan Cosmatos als ästhetisch hochaufregender Abstieg in die Hölle inklusive ekstatischer Drogenrauschmomente. Von Anfang an erzeugt der Film eine entrückte, halluzinatorische Atmosphäre, indem er auf knallige Farbenspiele, künstliche Lichtquellen, bedrohlich wummernde Klänge (verantwortlich: der 2018 verstorbene Komponist Jóhann Jóhannsson), ausgedehnte Zeitlupen und irritierende Überblendungen setzt.

Das Leben von Red – ein mit Blick auf den blutigen Verlauf programmatischer Name! – und Mandy erscheint einerseits seltsam unwirklich. Andererseits kommt in den betont langsam arrangierten Stimmungsimpressionen eine ehrlich berührende Zuneigung zum Vorschein, die das brutale Vorgehen der von Jeremiah Sand (ein Christian-Anders-Klon: Linus Roache) angeführten Hippie-Sekte umso schmerzhafter erscheinen lässt. Erst nach rund einer Stunde bringt Cosmatos den Vergeltungsplot ins Rollen und nimmt seinem Hauptdarsteller, der bis dahin erstaunlich zurückgenommen agiert hat, die Fesseln ab. Nicolas Cage, den man seit geraumer Zeit fast nur noch in stumpfsinnigen Reißern sehen kann, wirft sich ohne Rücksicht auf Verluste in seine Rolle und verwandelt den unbescholtenen Forstarbeiter in einen hemmungslosen, geradezu mythisch überhöhten Racheengel, der mithilfe einer riesigen, selbst geschmiedeten Axt und einem Bogen Jagd auf Mandys Mörder macht.

Die Trauma- und die Drogenerfahrung seiner Hauptfigur kleidet der Regisseur weiterhin in psychedelische Bilder und verleiht Reds Feldzug so einen gleichermaßen absurden wie verstörenden Anstrich. Freunde überdrehter Actionszenen dürfen sich unter anderem auf einen grotesken Kettensägen-Kampf freuen, der sicher nicht ganz zufällig Erinnerungen an Tobe Hoopers Horrorklassiker "The Texas Chainsaw Massacre" heraufbeschwört.

Cosmatos mutet dem Zuschauer einiges zu, bewegt sich mit seinen formalen Experimenten stets auf der Grenze zur Prätention, legt letztlich aber einen trotz zweistündiger Laufzeit nicht langweilig werdenden Albtraumtrip vor, in dem man sich im wahrsten Sinne des Wortes verlieren kann. Über welchen inhaltlich simpel gestrickten Rachethriller aus der jüngeren Vergangenheit lässt sich das schon sagen?

Fazit: Während die Handlung wenig hermacht, überwältigt der hochstilisierte Höllenritt "Mandy" das Publikum mit seinem Zusammenspiel aus knalligen Farben, unheimlichen Klängen und darstellerischen Exzessen.




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