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Fritzi - Eine Wendewundergeschichte
Fritzi - Eine Wendewundergeschichte
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Fritzi - Eine Wendewundergeschichte (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

30 Jahre nach dem Mauerfall kommt ein animierter Spielfilm in die Kinos, der Kindern die friedliche Revolution in der DDR erklärt. Als Identifikationsfigur dient die 12-jährige Fritzi, die sich der Dramatik der innerdeutschen Grenze bewusst wird, als sie ihrer ausgereisten Freundin ihren Hund bringen will. Sie erfährt, dass es die Stasi gibt, sie bekommt Probleme mit der regimetreuen Lehrerin, geht zu Montagsdemonstrationen. Fritzi läutet die Wende mit ein. Ihr Abenteuer veranschaulicht unter der Regie von Ralf Kukula und Matthias Bruhn kindgerecht, warum und auf welchem Wege viele DDR-Bürger damals dem Staat den Rücken kehrten und noch viel mehr Bewohner neue Freiheitsrechte forderten.

Der Film basiert auf dem 2009 erschienenen Kinderbuch "Fritzi war dabei" von Hanna Schott. Im Film wird Fritzis Rolle noch aktiver und dramatischer gezeichnet, beispielsweise mit ihrem Antrieb, den Eisernen Vorhang zu überwinden. Der Film hält sich zugleich an die historischen Vorgänge, es gelingt ihm ein guter Eindruck, welche Stimmung, welcher Aufruhr in der Gesellschaft herrschten.

Was kann den Charakter einer angeblich als Schutzwall dienenden Grenze besser enthüllen als die Erkenntnis eines Kindes, das sie es von der besten Freundin trennt? Obwohl im Film so viel passiert, schafft er es, auch den Chor der verschiedenen Stimmen einzufangen, die Fritzi verunsichern und herausfordern, weil sie von Regimetreue bis zu offenem Widerspruch reichen. Jemand spottet in der Klasse über Sophie, dass sie sich nach westlichen Konsumartikeln gesehnt habe, und Fritzi antwortet, für Bananen verlasse wohl niemand sein Land. Damit wird wie beiläufig auch das im Westen lange grassierende Vorurteil über die vermeintlich wirtschaftlichen Motive von Übersiedlern aus dem Ostblock korrigiert.

Die Animation im Zeichentrickstil, mit ihren klaren Konturen und den schön und einfach ausgemalten Hintergründen, wirkt sehr ansprechend. Die baufällige Tristesse der DDR-Stadt Leipzig wird abgebildet, ohne sie zu karikieren. Gerade für Kinderaugen hat sie auch eine gewisse Heimeligkeit, sie ist eben Fritzis Stadt. Der Film ist in vieler Hinsicht vorbildlich und dabei sehr didaktisch, wie in ein Abenteuer verpacktes Lehrmaterial. Und er regt Erwachsene zur Diskussion darüber an, inwiefern sich die Essenz dieser Wende, ihre dramatische Fallhöhe so vereinfacht einfangen lässt. Vielleicht werden das die Fragen, die das Kinderpublikum stellt, beantworten.

Fazit: Lässt sich die friedliche Revolution in der DDR 1989 einer Kindergeneration 30 Jahre nach dem Mauerfall anschaulich erklären? Der animierte Spielfilm, der auf einem Kinderbuch von Hanna Schott basiert, erzählt von einem 12-jährigen Mädchen, das so mutig wie naiv versucht, die innerdeutsche Grenze zu überwinden. Fritzi lernt, dass ihr Land eine Diktatur ist, und lehnt sich gegen sie auf. Der Film wirkt kindgerecht, er fasst die Ereignisse vorbildlich zusammen und steht zu seiner didaktischen Natur.




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