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Kritik: Trouble (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der amerikanische Independent-Spielfilm der Regisseurin und Drehbuchautorin Theresa Rebeck ist eine Dramödie über zwei verfeindete Geschwister. Obwohl die Geschichte in Vermont im Osten der USA spielt, trägt sie Züge eines Western. Die stolze Maggie geht nicht ohne Cowboyhut aus dem Haus und hat auch kein Problem damit, ihren Grund und Boden mit dem Gewehr zu verteidigen. Leider trifft ihre Kugel den eigenen Bruder, mit dem sie seit langem verfeindet ist. Aber weil beide Teil einer kleinen Gemeinschaft von Freunden und Nachbarn sind, die sich nicht so ohne weiteres auf eine Seite schlagen wollen, sind Maggie und Ben gezwungen, zu den Wurzeln ihrer Fehde vorzudringen und zu verschütteten Gefühlen.

Angelica Huston spielt Maggie als Respekt einflößende Person, die zur Sturheit neigt. Wenn sie mit erhobenem Kopf den Raum betritt, machen sich ihre Widersacher lieber aus dem Staub. Bill Pullman spielt Maggies Bruder Ben als ziemlich abgehalfterten Mann, der in einem klapprigen Wohnwagen haust, Marihuana raucht und Bier trinkt. Auch Ben erfüllt ein sturer Groll auf seine Schwester, er ist selbst ein Hitzkopf, der sich von anderen nichts sagen lässt. Das von gemütlichem Schmunzelhumor durchzogene Drama – von Maggies Waffengebrauch abgesehen geht es doch eher bedächtig zu – überzeugt in erster Linie als Ensemblespiel. Es stellt eine Gemeinschaft ländlicher Bewohner dar, von denen manche nicht viel besitzen, die sich aber füreinander interessieren und sich als Nachbarn achten. Dieses Umfeld versteht nicht ganz, was Maggie und Ben entzweit, aber schon, dass sie zuschauen und fragen, führt zu einer gewissen Auflockerung. Der Prozess der Auseinandersetzung beider Geschwister entwickelt unterhaltenden Wohlfühlcharakter. Und Gerry, der besonnene, zurückhaltende Freund der beiden, ist ein durch und durch positiver Charakter, der von David Morse überzeugend gespielt wird.

An das Westerngenre wiederum erinnert die gelegentlich begleitende Countrymusik. Und auch die Landschaft mit den Wäldern vor bergigem Hintergrund erweckt solche Assoziationen. Zumal Ben und seine Freunde manchmal abends vor seinem Trailer am Lagerfeuer sitzen. Kurze Rückblenden in die Kindheit Maggies, Bens und Gerrys signalisieren, welch positive Erinnerungen die Erwachsenen im Grunde verbinden. Insgesamt also bietet der Film eine originelle, wenn auch atmosphärisch gedämpfte Mischung aus Drama im Westernstil und Ensemblekomödie.

Fazit: Die amerikanische Regisseurin und Drehbuchautorin Theresa Rebeck stellt der auch diesmal beeindruckenden Schauspielerin Anjelica Huston in der Hauptrolle ein Ensemble unterschiedlicher Provinzcharaktere zur Seite. Der erbittert und sogar mit der Waffe ausgetragene Streit zweier Geschwister um ein Erbgrundstück auf dem Land beschäftigt ihr gesamtes Umfeld, das überwiegend mäßigend einzuwirken versucht. Die Dramödie im Westernstil verfügt über gute Schauspieler, entwickelt eine gedämpfte Wohlfühlatmosphäre und überzeugt mit ihrem liebevollen Blick auf die Charaktere.




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