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Wie gut ist deine Beziehung?
Wie gut ist deine Beziehung?
© X Verleih

Kritik: Wie gut ist deine Beziehung? (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Lange Zeit hat man nichts mehr vom Münchener Regisseur Ralf Westhoff gehört, der mit seinem Debütfilm "Shoppen" (2006) einen wunderbaren Ensemblefilm über das Phänomen Speed-Dating realisierte. Sein letztes Werk, die WG-Generationen-Komödie "Wir sind die Neuen", liegt bereits viereinhalb Jahre zurück. Mit "Wie gut ist deine Beziehung", seinem insgesamt vierten Spielfilm, kehrt er nun auf die Leinwand zurück. Mit Nebendarsteller Michael Wittenborn und Julia Koschitz drehte Westhoff bereits "Wir sind die Neuen".

Genüsslich nimmt Westhoff mit seiner dialogreichen Komödie die von Unsicherheiten und Paranoia geprägten Gefühlswelten heutiger Enddreißiger aufs Korn. In genau diesem Altern befinden sich Steve und Carola. Mit Ende 30 zählt man längst nicht mehr zu den Jüngsten, wer jetzt von seinem (langjährigen) Partner verlassen wird, muss sich auf eine möglicherweise beschwerliche Suche nach einer neuen Liebe begeben – gerade wenn die Beziehung kinderlos blieb. Denn Gleichaltrige sind in diesem Alter oft mit der Kindererziehung beschäftigt, die Zahl der Singles ist in der Altersgruppe der 35 bis 45-Jährigen folglich am niedrigsten. Steve sehnt sich in "Wie gut ist deine Beziehung?" daher auch nach Sicherheit und Beständigkeit – und steigert sich allmählich in den Wahn hinein, Carola könnte ihn verlassen.

Dazu verweist Westhoff ebenso auf den Druck und Stress im Beruf, die Angst vor Verdrängung durch talentierte Nachwuchskräfte und damit letztlich auch die Furcht, (beruflich und privat) auf der Strecke zu bleiben. Folglich unternimmt Steve, mit sympathischer Hemdsärmeligkeit von Mücke verkörpert, alles, um einer Trennung zuvorzukommen. "Ich will sie zurückgewinnen, bevor sie auf die Idee kommt mich zu verlassen", sagt er in einer Szene im Fitnessstudio zu seinem besten Freund. Im weiteren Verlauf kommt es zu allerlei Irrungen, Wirrungen und kuriosen Missverständnissen, vor allem weil Steve in jede Äußerung Carolas etwas Falsches hineininterpretiert. Schon bei der geringsten Vermutung, sie könne mit etwas unzufrieden sein, ergreift er Maßnahmen, um gegenzusteuern. Das führt zu vielen pointierten Momenten und pfiffigen Situationen, in denen Westhoff unterschwellig die komplizierte und von Missverständnissen geprägte Kommunikation zwischen Mann und Frau auslotet.

Zu all dem gesellen sich kauzige und drollige Nebenfiguren, die weit wehr sind als nur bloße Stichwortgeber oder loses Beiwerk. Von der (überzeugten) Dauer-Singlefrau Anette, die Carola mit plattitüdenhaften Flirt-Tipps versorgt, bis hin zum agilen Mitt-Sechziger und Lebemann Harald, der Steve schlichtweg für paranoid hält.

Fazit: Hintersinnige, heitere und mit verschrobenen Nebenfiguren ausgestattete Komödie über heutige Thirtysomethings, die zwischen Geld, Liebe, Familiengründung und Karriere ihr Glück suchen.




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