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Kritik: Hellboy - Call of Darkness (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Mike Mignolas "Hellboy" ist Kult. Der rothäutige Höllenjunge mit den abgesägten Hörnern und der Eisenfaust erblickte 1993 das Licht der Comicwelt. Seither hat keine andere Figur die Sparte der Horrorcomics so nachhaltig geprägt. Filmfans ist der paranormale Ermittler durch Guillermo del Toros Adaptionen ein Begriff, die 2004 und 2008 in die deutschen Kinos kamen. Trotz des anhaltenden Superhelden-Booms hat der Reboot mehr als eine Dekade auf sich warten lassen. Das Ergebins ist, gelinde gesagt, eine höllische Qual.

Del Toros Platz auf dem Regiestuhl nimmt Neil Marshall ein. Nach seinen Anfängen mit solider Endzeit- und Römer-Action ("Doomsday", "Centurion") war der 1970 geborene Brite vornehmlich im Fernsehen unterwegs, drehte Episoden für "Game of Thrones", "Hannibal" oder "Westworld". Und auch vor der Kamera hat sich einiges getan. Der aus der Serie "Stranger Things" bekannte David Harbour ersetzt Ron Perlman in der Hauptrolle. Als seine Gegenspielerin ist die zombieerprobte Milla Jovovich ("Resident Evil"-Reihe) mit an Bord. Auf dem Papier eine durchaus stimmige Mischung.

Unter Marshalls Regie rückt die Adaption deutlich näher an die Vorlage. So kultig die Comics auch sein mögen, so tiefgründig wie del Toros Filme waren sie nie. Komplexität ist nicht Mignolas Sache. Selbst in langen, über mehrere Hefte erzählten Geschichten setzt der US-amerikanische Zeichner und Szenarist vornehmlich auf zwei Hauptkomponenten: schaurig-schöne Gestalten und Action mit der Abrissbirne. Diesbezüglich hält "Hellboy – Call of Darkness" alles, was das Original verspricht. Sets, Kostüme und Make-up sind stimmungsvoll. Eine kurze Episode mit der Hexe Baba Yaga ist ein wahrhaft ekelerregender Graus. Marshalls Filmversion ist düsterer und brutaler als del Toros, aber auch humor- und einfallsloser.

Schauspielerisch, erzählerisch und inszenatorisch läuft indes nichts zusammen. Harbours aus "Stranger Things" importierter Stoizismus passt nicht recht. Sein Auftritt bleibt den gesamten Film über ebenso uninspiriert wie Milla Jovovichs, Ian McShanes und Daniel Dae Kims Darbietungen. Die Handlung nimmt derweil viel zu viele überflüssige Seitenwege, ist zuweilen zerfahren und langweilt schnell. Die Action ist blutig und plump, die Computereffekte sind lachhaft. Am meisten Knall und Rums bringt noch der rockige Soundtrack in den Kinosaal.

Waren bei del Toro hinter den Monstern stets Menschen mit echten Emotionen und Konflikten zu erkennen, bleiben die Figuren bei Marshall flach wie Comicseiten. Wer vor dem Ende nicht einschläft, durchleidet die unterirdischste Comicverfilmung seit Langem.

Fazit: "Hellboy" ist zurück – und unterirdisch schlecht. Stand bei Guillermo del Toros ersten beiden Filmen der Mensch hinter dem Monster im Mittelpunkt, setzt Neil Marshall in seinem Reboot auf hirnlose Action ohne jeglichen Tiefgang. Ein erzählerisch zerfahrener, schauspielerisch und inszenatorisch uninspirierter, gähnend langweiliger Höllenritt.




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