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Kritik: Hannes (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Hannes" war der erste Familienroman von Autorin Rita Falk, die 2010 mit dem ersten Buch über den kauzigen Dorfermittler Franz Eberhofer ("Winterkartoffelknödel") bekannt wurde. Bis heute erschienen zahlreiche weitere Bücher über Eberhofer, doch mit "Hannes", der 2012 erschien, bewies Falk ihr Talent für ernste Themen und nachdenkliche Töne. "Hannes", der Ende 2018 in München und Umland, Spanien und Italien entstand, ist der letzte Film mit Hannelore Elsner.

Schon im Roman von Falk mangelte es "Hannes" nicht an Themen und Handlungssträngen. Für den Film wäre es ratsam gewesen, hätten die Macher das Ganze inhaltlich etwas entschlackt und die vielen nichtssagenden, vagen Seitenstränge und Andeutungen gestrichen. Leider verkommt somit auch der Film zu einem wenig stimmigen Brei unterschiedlicher Thematiken und Genres.

"Hannes" will Sterbe-Drama, ein Film über psychische Krankheiten (Moritz übernimmt Hannes‘ Zivi-Stelle im Heim für psychisch Kranke), Roadmovie und gleichzeitig Coming-of-Age sein, wenn er dann plötzlich wieder Moritz‘ Versuche, sich selbst zu finden, in den Mittelpunkt rückt. Das ist wesentlich zu viel für diesen nur 90-minütigen Film, der unter jener Last zusammenbricht.

Ein weiteres Problem ist, dass man über die beiden Protagonisten viel zu wenig erfährt, um sich in sie hinein zu fühlen und mit ihnen zu fiebern. Ein paar biographische Eckdaten und nüchterne Fakten über die Vergangenheit sind leider zu wenig. Apropos Vergangenheit: Die unvermittelt eingebauten Flashbacks in die Anfangszeit der Freundschaft oder zu früheren Ereignissen nehmen der Gegenwartshandlung viel von ihrer Dringlichkeit und stören den Erzählfluss.

Erschwerend kommt hinzu, dass "Hannes" zu sehr und zu gewollt an die Emotionen des Zuschauers andocken will. Mit kitschigen, nichtssagenden One-Linern und Phrasen ("Lass uns endlich unseren Traum erfüllen, egal was kommt"), einer aufdringlich emotionalisierenden Musik und den vielen rührseligen Szenen, wie man sie aus gefühlt jedem zweiten ZDF-Sonntagabend-Film kennt: Etwa wenn sich Hannes und Moritz vor dem Hintergrund eines romantischen Sonnenuntergangs ihre Freundschaft schwören oder all den erwartbaren, pathetischen Momenten am Krankenbett in der Klinik ("Drück meine Hand").

Fazit: Süsslich-schmalziges, vorhersehbares Drama mit einer unglaubwürdigen Geschichte und viel zu aufdringlichen musikalischen Untermalung.




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