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Kritik: Once Again - Eine Liebe in Mumbai (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das romantische Paar in diesem Film des aus Indien stammenden Regisseurs und Drehbuchautors Kanwal Sethi befindet sich schon deutlich in der zweiten Lebenshälfte. Amar und Tara haben erwachsene Kinder und stehen voll im Berufsleben. Sie sind beziehungserfahren und sehnen sich nach einer neuen, späten Liebe. Aber sie scheuen auch davor zurück, sich zu binden und ihr gewohntes Unabhängigkeitsgefühl aufs Spiel zu setzen. Die deutsch-indisch-österreichische Koproduktion taucht mit viel Sinn für Atmosphäre in den Alltag der beiden Hauptfiguren ein und begleitet sie auf ihrer holprigen Gratwanderung zwischen Sehnsucht und Angst. Der in Deutschland lebende Regisseur hat den Film als Teil einer geplanten Trilogie über Spannungsfelder im Alltagsleben indischer Großstadtbewohner konzipiert.

Am Anfang des Films hört man Amar und Tara aus dem Off telefonieren. Sie wirken sehr vertraut miteinander und sprechen offen. Als sie dann in die Phase persönlicher Treffen übergehen, werden sie merken, dass sie im direkten Kontakt viel zurückhaltender und verschlossener sind. Für die Witwe Tara wäre es in der indischen Gesellschaft tendenziell unschicklich, mit Männern auszugehen. Hat eine reife Frau wie sie überhaupt das Recht, sich außer um die Arbeit und das Wohlergehen ihrer erwachsenen Kinder auch noch um ihr eigenes Glück zu kümmern? Amar steht ständig unter öffentlicher Beobachtung, die ihm zusetzt. Auch er ist viel zögerlicher, sich neu zu binden, als ihm zunächst bewusst ist. Die tastende Beziehung der beiden Menschen aus unterschiedlichem Milieu geht vor und zurück, gleicht einer emotionalen Berg- und Talfahrt.

Das Herz des Dramas ist die so vernünftig wirkende Tara als starke Persönlichkeit. Shefali Shah verleiht ihr die Würde einer erfahrenen, selbstbewussten Frau. Aber sie spielt auch sehr bewegend Taras inneres Ringen, bei dem sich ihre Verletzlichkeit offenbart. Die Etappen dieser Beziehung werden überzeugend geschildert, während die Gefühlslage der Protagonisten zwischen Pessimismus und Optimismus schwankt. Ein- und dieselbe Szene kann unvermittelt ihre Stimmung ändern. Der Regisseur legt Wert auf sinnliche Eindrücke, etwa wenn Tara kocht, oder wenn auf einer Hochzeitsfeier ein Ritual seine poetische Magie entfaltet. Dieses verhaltene Drama, das sich fernab des Trubels von Bollywood-Musicals bewegt, ist von der Absicht geprägt, die Realität differenziert, aber dennoch vom Herzen her abzubilden.

Fazit: Das romantische Drama des Regisseurs und Drehbuchautors Kanwal Sethi schildert mit sinnlicher und emotionaler Poesie die zögerliche Annäherung zweier Menschen jenseits der 50 in Mumbai. Die Gastwirtin Tara und der Filmstar Amar sind erfolgreich und lebenserfahren, aber einsam. Als sie sich persönlich gegenüberstehen, wird ihre am Telefon gepflegte Freundschaft auf einmal sehr kompliziert. Der verhaltene Film verfügt über eine charismatische Hauptdarstellerin und vermag Atmosphärisches und das Ringen der Charaktere mit sich selbst gut wiederzugeben.




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