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Greta
Greta
© Capelight Pictures © Ascot Elite Filmverleih GmbH

Kritik: Greta (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Kaum ein Zuschauer dürfte wissen, was ihn erwartet, wenn der Vorspann einen »Neil-Jordan-Film« ankündigt", schreibt Herausgeberin Fabienne Liptay im Vorwort der Neil Jordan gewidmeten Monografie, die in der Reihe "Film-Konzepte" erschienen ist. Die Filme des 1950 geborenen Iren, der seine Karriere als Schriftsteller begann und bis heute Romane veröffentlicht, pendeln zwischen Realität und Imagination, zwischen Polit-Thrillern, Biopics, Coming-of-Age-Dramen und Märchen-, Mystery- und Fantasyfilmen. In Jordans Werk stehen Filme wie "The Crying Game" (1992), "Michael Collins" (1996) und "Breakfast on Pluto" (2005) neben "Zeit der Wölfe" (1984), "Interview mit einem Vampir" (1994), "Ondine" (2009) und "Byzantinum" (2012).

Das Eingangszitat trifft auch auf Jordans jüngsten Film zu. Was wie ein Drama über zwei einsame Frauen beginnt, begibt sich zügig auf die Überholspur und biegt schnurstracks in Richtung Psychothriller ab. Als Co-Autor hat sich Jordan Horrorfachmann Ray Wright ("Fall 39", "The Crazies") mit an Bord geholt, der den vertrackten Plot mit ein paar klaustrophobischen Szenen und makabren Einfällen anreichert. In "Greta" geschehen die Grausamkeiten stets zur kultiviertesten Musik. Doch auch der Rest kann sich sehen lassen.

"Greta" ist ein handwerklich versiert dargebotenes Spiel mit der Erzählform, mit der Wahrnehmung und mit den Publikumserwartungen. Jordans Film schwankt zwischen ernst zu nehmendem Schauder und augenzwinkernden Anspielungen, zwischen Hochglanzbildern und Trash-Attitüde. Wie bei so vielen Vertreten des Genres wurzelt auch in "Greta" das Übel in der Familie. Wer sich Innovationen verspricht, wird enttäuscht. "Greta" ist solide Spannungsware – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Größtes Manko ist Hauptdarstellerin Chloë Grace Moretz. Vom comic-gestählten, fulminant aufspielenden Hit-Girl aus "Kick-Ass" (2010) ist nicht mehr viel geblieben. An der Seite Isabelle Hupperts, die allein schon durch ihre physische Präsenz ein nervöses Kribbeln erzeugt, bleibt Moretz blass. Dem leichtfüßigen Wahnsinn von Hupperts Muttermonsters hat Moretz schlicht zu wenig entgegenzusetzen.

Fazit: Neil Jordans "Greta" ist handwerklich versierte, solide Spannungsware – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Während Isabelle Huppert in diesem Psychothriller als leichtfüßige Soziopathin überzeugt, bleibt Chloë Grace Moretz als ihr Gegenpart blass.




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