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Kritik: Cortex (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Seit den achtziger Jahren steht der Schauspieler Moritz Bleibtreu (geboren 1971) vor der Kamera; der endgültige Durchbruch gelang ihm als einfältiger Gangster Abdul in der Tragikomödie "Knockin' on Heaven's Door" (1997). Mit dem Mystery-Thriller "Cortex" legt er nun sein Debüt als Drehbuchautor und Regisseur vor. Das Ergebnis ist ein visuell starkes Genre-Stück, das lustvoll aus der (US-)Kinogeschichte zitiert, dramaturgisch aber nicht gänzlich zu überzeugen vermag.

Bleibtreu selbst übernimmt in seiner ersten Regiearbeit die Hauptrolle – und konnte diverse namhafte Kolleginnen und Kollegen für die übrigen Parts gewinnen, darunter Nadja Uhl ("Sommer vorm Balkon"), Jannis Niewöhner ("Narziss und Goldmund") und der österreichische Charakterdarsteller Nicholas Ofczarek. Die Zeichnung der Figuren zählt jedoch zu den deutlichen Schwachpunkten von "Cortex"; es mangelt dem Personal an interessanten Hintergründen.

Als audiovisueller Rausch ist der Mix aus Spannung und Drama, auch dank des Kameramanns Thomas W. Kiennast, ein Genuss; in der Fülle der filmischen Referenzen lassen sich unter anderem David Lynchs "Lost Highway" (1997) und Christopher Nolans "Memento" (2000) ausmachen. Bleibtreu wagt in seinem Erstling auf gestalterischer Ebene sehr viel. Dies lässt etwa an "Lost River" (2014) – das Regiedebüt des kanadischen Hollywood-Stars Ryan Gosling – denken: Auch hier waren der Stilwille und die Ambition, Bilder in Manier der großen cineastischen Idole zu schaffen, erkennbar; eine eigene Handschrift und Stimmigkeit wurden indes nicht erreicht. Ebenso fehlt es "Cortex" an Eigenständigkeit und an einem originellen Plot, um letztlich zu einer runden Sache zu werden. Als ästhetisch ansprechende Unterhaltung ist Bleibtreus Werk allerdings fraglos geeignet – und als Abwechslung in der an Genre-Beiträgen noch immer vergleichsweise armen deutschen Kinolandschaft gewiss willkommen.

Fazit: Optisch reizvoll, mit zahlreichen Anspielungen auf Filmklassiker – und obendrein gut besetzt. Inhaltlich hingegen eher schwach.




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