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Blinded by the Light
Blinded by the Light
© Warner Bros.

Kritik: Blinded by the Light (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die britische Regisseurin Gurinder Chadha ("Kick It Like Beckham") erzählt erneut eine Geschichte vom Aufwachsen in England zwischen zwei Kulturen. Der am Drehbuch dieses Films beteiligte Sarfraz Manzoor, ein Brite pakistanischer Herkunft, hatte 2007 das Buch "Greetings from Bury Park" veröffentlicht. Darin schrieb er, wie die Musik von Bruce Springsteen sein jugendliches Selbstverständnis geprägt und ihn darin bestärkt hatte, seinen eigenen Weg zu gehen.

Springsteen sprach seinen treuen Fan Manzoor auf sein Buch an, lobte es und gab auch die Einwilligung, seine Musik in dieser Verfilmung zu verwenden. Das Ergebnis ist ein bewegendes Drama, das zugleich vom Stellenwert der Musik im Leben eines jungen Menschen handelt. Dass Springsteens Musik und Liedtexte auch einem pakistanisch-britischen Teenager in Luton während der Thatcher-Ära aus der Seele sprechen, stellt natürlich eine kraftvolle Hommage auf den amerikanischen Künstler dar.

Javed ist sensibel, poetisch begabt und wird nicht gehört. Nicht von seinem autoritären Vater, nicht als er sich bei der Schülerzeitung vorstellt. Er kann schon froh sein, wenn ihn auf der Straße nicht wieder ein Skinhead verfolgt. Aber er hat eine Lehrerin, die seine Gedichte gut findet. Und einen Schulfreund, der ihm die Musikkassetten gibt, die sein Leben verändern werden. Chadha hat ein überzeugendes Gespür für die bunten Farben, die sich in Javeds erdrückender Realität verbergen. Sie porträtiert den Alltag in Javeds Familie ebenso differenziert, wie sie sein sonstiges Umfeld zeichnet. Da gibt es beispielsweise den alten Nachbarn (David Hayman), der anfangs stumm und reserviert dreinschaut und dennoch die Annahme, dass er ausländerfeindlich sei, Lügen strafen wird.

Javed kennt wie Springsteen, "The Boss", die Nöte derjenigen, die hart arbeiten und trotzdem ihre Träume von einem besseren Leben kaum erreichen können. Einer der bewegendsten Momente im Film entsteht, wenn er seinem bedrückten Vater Anerkennung zollt. Lange nach Ende des Films wird man von Songs wie "The River", "Promised Land", "Born to Run" begleitet und beflügelt. Manchmal inspirieren die Lieder im Film Menschen zu spontanen Auftritten, die an ein Musical erinnern. Als Javed Springsteen entdeckt, kreisen im Bild plötzlich Worte aus "Dancing in the Dark" um seinen Kopf, bevölkern den Raum und verändern ihn. So kann es aussehen, das musikalische Erweckungserlebnis eines Jugendlichen mit hungrigem Herzen.

Fazit: Die britische Regisseurin Gurinder Chadha vertieft sich überzeugend in das Lebensgefühl eines Teenagers pakistanischer Herkunft, der in den 1980er Jahren in der englischen Arbeiterstadt Luton aufwächst. Ihre bewegende Verfilmung der Jugenderinnerungen von Sarfraz Manzoor gerät dabei auch zur Hommage an die zeitlose Kraft der Lieder von Bruce Springsteen. Denn der jugendliche Filmheld Javed fühlt sich durch sie bestärkt, seinen Weg trotz rassistischer Anfeindungen und den Verboten des konservativen Vaters zu gehen.




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