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Crawl
Crawl
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Crawl (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wer Horrorthriller mag, weiß aus leidvoller Erfahrung, dass längst nicht alle Filme, die sich die Genrebezeichnung als Gütesiegel anheften, dieses auch verdienen. Mit "Crawl" legt der Regisseur Alexandre Aja ("Piranha 3D") allerdings einen Horrorthriller vor, wie er grimmiger kaum sein kann. Wer ihn sich zu Gemüte führt, wird anschließend eine Weile mit der Beruhigung der Nerven beschäftigt sein. Da ist es nicht hilfreich, über die prinzipielle Realitätsnähe der Geschichte aus der Feder von Michael und Shawn Rasmussen ("The Ward") nachzudenken. Für die Bewohner Floridas sind weder Hurrikane noch Alligatoren etwas Neues, aber die filmische Kombination aus Sturm, Überflutung und Bestie katapultiert die Gefahr in ungeahnte Höhen.

Der Sturm lässt die Mauern der Sicherheit, die Menschen zwischen sich und der wilden Natur errichtet haben, durchlässig werden. Die Kellerräume sind ein Einfallstor für die bedrohliche Außenwelt, die vordringt, um buchstäblich zuzuschnappen. Noch bevor das erste Krokodil auftaucht, entfaltet das Kellergeschoss unter Haleys Elternhaus eine schöne Unheimlichkeit. Da hängen Kabel herum zwischen Käfigen, der Boden ist schlammig, Ratten huschen um die Ecke und Haley folgt dem Klang eines unsichtbaren Radios, weiter und weiter in ein Territorium, das dazu bestimmt war, in Vergessenheit zu verharren.

Ein-zweimal keimt in Haley wilde Hoffnung auf, als draußen vor dem Haus Menschen auftauchen. Sie stehen im trüben Wasser, das schon die Straße überflutet hat. Die Kamera begibt sich unter Wasser, schaut wieder zur Oberfläche. Die grauen Alligatoren sind immer nur spät zu erkennen, ob nun im Keller oder draußen, oft sogar erst in dem Moment, bevor sie zubeißen. Da kann es schon mal grässlich blutig werden.

Die Beziehung von Tochter und Vater bildet einen Kontrast zum Schrecken ringsum, der Geborgenheit ausstrahlt und dennoch nicht spannungsfrei ist. Dave hatte seine Tochter von klein auf zur Kämpferin erzogen, fast als hätte er geahnt, dass sie eines Tages mit Alligatoren um die Wette schwimmen soll. Aja und die Drehbuchautoren scheinen beim Blick auf dieses Duo amerikanische Werte wie Kampfgeist und Freiheitsstreben ganz dezent mit Ironie zu überziehen. Den Zuschauern werden auch Anspielungen auf klassische Filmszenen, etwa von Hitchcock, angeboten, aber so beiläufig und unaufdringlich, als könnten sie ihre Wirkung am besten in den Gefilden getrübter Erinnerung entfalten.

Fazit: Was kann es Schlimmeres geben als während eines Hurrikans in einem Keller im Überflutungsgebiet einen verletzten Angehörigen zu finden? Dem Regisseur Alexandre Aja und seinen Drehbuchautoren Michael und Shawn Rasmussen fallen da noch angriffslustige Alligatoren ein. Der grimmige Horrorthriller spielt seine Zutaten wirkungsvoll aus, von der prinzipiellen Realitätsnähe am Schauplatz Florida über das großflächige Schüren unbewusster Ängste bis zu den sehr konkreten Attacken schnappender Bestien. Diese harte Kost macht ihrem Genre Ehre.




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