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Kritik: Fisherman's Friends (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Geschichten nach wahren Begebenheiten boomen. In Zeiten allgemeiner Verunsicherung, welchen Nachrichten noch zu trauen ist, sucht das Publikum anscheinend auch in der fiktionalen Unterhaltung nach Fakten. Gern ist dann von Authentizität die Rede, die nicht mehr nur im dramatischen, sondern immer häufiger im komödiantischen Fach Einzug hält. Gerade erst kam mit "Ein Becken voller Männer" die auf Tatsachen beruhende Geschichte um eine Gruppe älterer Synchronschwimmer in der mittlerweile dritten Spielfilm-Variante in die Kinos. Nun ist eine Gruppe Fischer dran, die 2010 mit ihren traditionellen Seemannsliedern die britische Hitparade stürmten.

Das Drehbuch von Meg Leonard, Nick Moorcroft und Piers Ashworth setzt auf die Gegensätze zwischen Stadt und Land, bodenständige Charaktere und bärbeißigen Humor. Die Ausgangslage erinnert ein wenig an Bill Forsyth' "Local Hero" (1983), der weitere Handlungsverlauf an Klassiker der irischen und britischen Arbeiterklassenkomödie wie "Die Commitments" (1991), "Brassed Off" (1996), "Ganz oder gar nicht" (1997) oder zuletzt etwa "Pride" (2014). Der Umgangston ist so rau wie die Küste, die Geschichte so herzerwärmend wie ein Glas Rum. Snobistische Großstädter bekommen ebenso ihr Fett weg wie engstirnige Landeier.

Regisseur Chris Foggin verrührt das ganze zu einem Wohlfühlkompott, das bei Weitem nicht so kitschig-klebrig und zuckersüß wie vergleichbare Komödien ist. "Fisherman's Friends" ist vor allem herzlich, dabei aber auch immer ein bisschen (zu) harmlos und vorhersehbar. Gemeinsam mit seiner Hauptfigur Danny (Daniel Mays), der in der beruflichen wie privaten Sinnkrise steckt, tappen auch Foggin und sein Film ein wenig in die Vorurteilsfalle vom lebenswerteren, weil einfacheren und ehrlicheren Leben auf dem Land. Zwar blendet "Fisherman's Friends" die Schattenseiten des Landlebens nicht aus, rückt dessen Sonnenseite aber arg romantisiert ins Bild.

Auch wenn die ganz großen Namen fehlen, überzeugt das durchweg toll besetzte Ensemble. Die Chemie zwischen den Darstellern stimmt. Und die traditionellen Seemannslieder, "der Rock 'n' Roll von 1752", wie Alwyn sie nennt, sind ein Ohrenschmaus. Eine kleine Komödie, die den großen Tieren in der Hauptstadt die charmante Widerständigkeit und den anarchischen, rebellischen Geist der Landbevölkerung entgegensetzt.

Fazit: "Fisherman's Friends" ist eine Wohlfühlkomödie mit rauem Charme und bärbeißigem Witz, die das einfache Landleben gegen das hektische Großstadtgetöse ausspielt. Überzeugend gespielt und mit Seemannsliedern zum Mitschunkeln bleibt Regisseur Chris Foggin in sicheren Gewässern.




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