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Kritik: Zwingli - Der Reformator (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Pünktlich zum Reformationstag kommt ein Spielfilm über einen bedeutenden Kirchenerneuerer in die Kinos. Historienfilme – da macht auch Stefan Haupts "Zwingli" keine Ausnahme – erzählen auch immer etwas über die Zeit ihrer Entstehung. Die Bezüge zu und die Verweise in unsere Gegenwart sind unverkennbar. In einer Zeit, in der erbitterte Glaubenskriege geführt werden und Fake News und gefühlte Wahrheiten häufig mehr zählen als harte Fakten, kommt ein Reformator wie Haupts Titelheld gerade richtig.

Max Simonischek spielt ihn mit Bedacht; leidenschaftlich, aber gelassen, mit Herz und dennoch abwägend. In dieser Figur lodert die Flamme der Aufklärung bis zum letzten Gefecht. Wo seine Weggefährten sich unterwegs die Finger verbrennen, sich verrennen und im doppelten Sinn den Kopf verlieren, lässt sich Zwingli von seinem inneren Feuer nie den Blick vernebeln. Simonischeks Zwingli ist zwar ein Sozial-Revoluzzer, aber eben auch ein Stratege, mehr Realo als Sponti, was ihn letztlich von seiner großen Liebe in einer gelungenen Sequenz nicht nur moralisch, sondern auch räumlich trennt.

Simone Schmids Drehbuch schreitet Zwinglis Wirken am Zürcher Grossmünster naturgemäß verkürzt, aber historisch fundiert ab. Auch begeht es nicht den Fehler, den Reformator zum unfehlbaren Helden zu verklären. Trotz opulenter Ausstattung und Michael Hammons versierter Kameraarbeit erinnert Haupts Film visuell und inszenatorisch über weite Strecken allerdings eher an ein Fernsehspiel denn an großes Kino.

Packend ist das Historiendrama aber allemal – nicht zuletzt dank des Zusammenspiels des ausgewogen besetzten Ensembles und der Zeitbezüge. Damals wie heute sind die drängenden Fragen die nach gesellschaftlicher Teilhabe, nach der Verantwortung der Wohlhabenden und nach der Verteilung der Vermögensverhältnisse.

Fazit: Stefan Haupts Historienfilm ist ein opulent ausgestattetes Drama, das viele Zeitbezüge zu unserer Gegenwart herstellt. Das wirkt zwar mitunter wie ein Fernsehfilm, ist aber packend gespielt. Vor allem aber bricht "Zwingli – Der Reformator" eine Lanze für das kritische Denken und das rationale Argumentieren.




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