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Gloria - Das Leben wartet nicht
Gloria - Das Leben wartet nicht
© SquareOne

Kritik: Gloria - Das Leben wartet nicht (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Nana-Mouskouri-Gedächtnisbrille saß schon Paulina García in "Gloria" (2013) stets etwas zu schief im Gesicht. Auf Julianne Moores Nase wirkt die Sehhilfe mit den überdimensionierten Gläsern bis zuletzt wie ein Fremdkörper, wie sich auch ihre Titelfigur seltsam aseptisch durch die Handlung bewegt und damit das ganze Dilemma dieses Remakes beschreibt. Sebastián Lelios Neuauflage seines Berlinale-Publikumslieblings ist beileibe kein schlechter Film, aber nicht annähernd so schwungvoll und lebenslustig wie das Original.

An den Einzelteilen liegt es nicht; die sind, wie immer beim chilenischen Regisseur und Drehbuchautor, durchdacht und wohl komponiert. Seine Titelfigur ist stark, widerständig und weit entfernt von den austauschbaren Abziehbildern, die Hollywood sonst präsentiert. Natasha Braiers lichtdurchflutete, in Sand- und Erdtönen gehaltene Bilder verengen sich ganz auf Gloria, geben nie zu viel von ihrer Umgebung preis. Matthew Herberts Hammondorgel tänzelt leichtfüßig dazu. Dieses Mal wollen sich diese Einzelteile allerdings nicht so gut zusammenfügen.

Die US-Kritik hat Lelios Remake gefeiert, was mehr über den Zustand Hollywoods als über den Film aussagt. In einer Industrie, in der Frauen ab 50 nur noch klischierte Rollen, geschweige denn Hauptrollen angeboten bekommen, bedeutet "Gloria – Das Leben wartet nicht" viel frischen Wind, ja, kommt beinahe einem Sturm gleich. Diese Frau darf tanzen, sich betrinken, kiffen und vögeln, darf sich selbstbewusst, aber auch verletzlich zeigen, darf ungeschminkt und nackt, kurzum: natürlich sein. Julianne Moore ist dafür einerseits die perfekte Besetzung, für diese Rolle andererseits zu schön. Ein weiteres Dilemma. Obwohl Moore wie schon García in jeder Einstellung zu sehen ist und abermals eine überwältigende Leistung abliefert, reißt sie diesen Film nicht so sehr an sich, wie García es vor sechs Jahren vermochte.

Wer das Original kennt, kann sich das Remake sparen. Alle anderen sehen ein nachdenkliches, differenziertes Drama, das mehr auf leise Zwischentöne denn auf die pure Feier der Lebenslust setzt.

Fazit: Sebastián Lelios Remake seines Berlinale-Lieblings "Gloria" (2013) ist wie das Original ein differenziertes Drama mit einer starken, widerstandsfähigen Frau im Zentrum. So brillant Julianne Moore dieses Altern in Würde auch spielt, an die Lebenslust von Paulina García kommt sie nicht heran. Insgesamt fällt die Neuauflage weniger schwungvoll und deutlich nachdenklicher aus.




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