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Kritik: Die Hochzeit (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Nur anderthalb Jahre nach "Klassentreffen 1.0" kommt mit "Die Hochzeit" bereits die Fortsetzung von Til Schweigers Box-Office-Hit in die Kinos. "Klassentreffen 1.0" entwickelte sich Ende 2018 zur fünfterfolgreichsten deutschen Produktion des Jahres und lockte insgesamt weit über eine Millionen Zuschauer in die Kinos. Für den zweiten Teil konnte Schweiger auf alle bekannten Darsteller des ersten Teils zurückgreifen.

"Klassentreffen 1.0" zeichnete sich vor allem durch die Unterschiedlichkeit der Hauptcharaktere aus, die der neue Film weitestgehend – und das ist die gute Nachricht für alle Fans des ersten Teils – beibehält. Da gibt es den weinerlichen, notorisch unglücklichen und mehr denn je mit dem Alter hadernden Andreas, den Pechvogel Nils, der auch diesmal kein Glück mit den Frauen hat, und natürlich Hauptfigur Thomas, der sich in "Die Hochzeit" nun endgültig von seinem alten Leben als überzeugter Dauer-Single und Partyhengst verabschieden will.

Das Darsteller-Trio haucht den Figuren wie schon im Erstling ordentlich Leben ein und dreht in den vielen (immer wieder leider viel zu überzogenen und albernen) Slapstick-Momenten mächtig auf. Überhaupt kommt dem derben, körperbetonten Brachial-Humor deutlich mehr Bedeutung zu: Die Figuren stürzen, bekommen Torten ins Gesicht, rasten aus, leisten sich temporeiche Autofahren und müssen körperlich so einiges einstecken. Nur selten funktionieren diese jedoch Gags wirklich gut. Meist wirkt das alles wie eine lieblos aneinandergereihte Nummernrevue, noch dazu garniert mit zum Teil extrem anzüglichen Witzen, die (wie schon im ersten Film) Anflüge von homophoben Tendenzen erkennen lassen.

Apropos Anspielungen: Immer wieder verweist Schweiger als Hauptfigur Thomas augenzwinkernd auf jenen Kritikerhass, den er sich als Regisseur und Schauspieler seit Beginn seiner Karriere ausgesetzt sieht. Die Erklärung, die Thomas für das Schwinden des eigenen Erfolgs liefert und womit er den schwachen Absatz seiner jüngsten Veröffentlichungen rechtfertigt, ist simpel aber trifft den Nagel auf den Kopf: Er sei schlicht "zu erfolgreich". Etwas ärgerlich sind hingegen die belehrenden, nicht selten ins Pathetische abdriftenden Dialoge, die sich um – inhaltsleere – Lebensweisheiten und Liebes- sowie Hochzeits-Tipps drehen.

Fazit: Dramaturgisch überraschungsarme, schablonenhaft inszenierte Schweiger-Komödie nach Schema F, die von ihren spielfreudigen Darstellern vorm Totalausfall bewahrt wird.




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