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Kritik: Just Mercy (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Just Mercy" beruht auf der gleichnamigen Autobiografie "Just Mercy: A Story of Justice and Redemption", die der echte Bryan Stevenson vor vier Jahren veröffentlichte. "Bei Just Mercy" handelt es sich um den vierten Spielfilm des US-amerikanischen Regisseurs und Drehbuchautoren Destin Daniel Cretton, der 2017 mit "Schloss aus Glas" seinen internationalen Durchbruch feierte. Weltpremiere war im September 2019 auf dem Toronto Filmfest.

Cretton, der in naher Zukunft seinen ersten Marvel-Blockbuster inszenieren darf, geht in "Just Mercy" erzählerisch ruhig und sachlich vor. Das ist zugleich einer der größten Pluspunkte des in den späten 80er-Jahren angesiedelten Films: Die unemotionale, unaufgeregte Art, mit der der 42-Jährige inszeniert und dabei den Anteil der (Genre-immanenten) lautstark geführten, hitzigen Wortgefechte vor Gericht angenehm gering hält. Ein Element, womit ein Großteil der Gerichts-Dramen oder im Umfeld von Kanzleien angesiedelten Filme gespickt sind (siehe u.a.: "Die Jury", "Im Auftrag des Teufels").

Herausragend sind die schauspielerischen Leistungen des Hauptdarsteller-Gespanns. B. Jordan brilliert als unentwegt für die Gerechtigkeit kämpfender und sich für Reformen einsetzender, mutiger Jung-Anwalt. Ihm in nichts nach steht Foxx als unschuldig Abgeurteilter, der seinem Charakter Tiefe und Ausdruck verleiht. Dramaturgisch und hinsichtlich des Storyverlaufs kommt "Just Mercy" allerdings weitestgehend vorhersehbar und wenig überraschend daher. An dieser Stelle hätte man Cretton den Mut seines Protagonisten gewünscht, auch mal etwas zu riskieren und ausgetretene Pfade zu verlassen.

Und noch etwas ärgert: Die pathetischen Verlautbarungen und schwülstigen Weisheiten, in denen große Begriffe wie Gnade, Schuld, Unschuld und Gerechtigkeit für schon oft gehörte, an Kalendersprüche erinnernde Mono- oder Dialoge benutzt werden. Das ist enervierend, lässt sich in einem Film mit einem solchen Sujet, gerade wenn er aus Hollywood kommt, aber wohl kaum vermeiden.

Fazit: Gegen Vorurteile gerichtetes, kraftvoll gespieltes Gerechtigkeits- und Rassismus-Drama über einen großen Anwalt und Bürgerrechtler, der die Verfehlungen des US-Rechtssystems anprangerte.




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