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Kritik: Max und die Wilde 7 (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der Film beruht auf dem Kinderbuch "Das schwarze Ass", das die beliebte "Max und die wilde 7"-Buchreihe 2014 einleitete. Bis heute sind zwei weitere Bücher über den sympathischen, aufgeweckten Jungen erschienen. Die Geschichten stammen von Schriftstellerin Lisa-Marie Dickreiter und ihrem Mann Winfried Oelsner, der den Film auch inszenierte. Bekanntheit als Regisseur erlangte Oelsner vor allem mit seiner Doku "Projekt Gold" über den WM-Gewinn der deutschen Handball-Nationalelf im Jahr 2007.

Von der ersten Minute an versteht es Oelsner ganz vorzüglich, eine harmonische Balance aus – jederzeit kindgerechten – Spannungsmomenten, optisch beeindruckenden Aufnahmen (majestätisch: der Schauplatz/Drehort Burg Braunfels bei Wetzlar) und augenzwinkerndem Humor zu kreieren. Für den humorvollen Anteil sind in erster Linie die kauzigen, liebenswürdigen Senioren verantwortlich. Und zwar in erster Linie die titelgebenden "wilden 7", also Kilian, Horst und Vera, die die Sympathien der Zuschauer schnell auf ihrer Seite haben. Und die meisten Lacher auf sich verbuchen können.

Da die drei Rentner so grundverschieden sind und sie sich durch derart differierende, schrullige Verhaltensweisen auszeichnen, kommt zudem nie Langeweile auf. Günther Maria Halmer spielt einen leicht exzentrischen Forscher und Ex-Wissenschaftler, der auch heute noch wunderliche Experimente durchführt. Uschi Glas beweist Selbstironie, da sie als rüstige Schauspielerin zu sehen ist, der Dinge wie Aussehen und Fitness noch immer über alles gehen. Und Thomas Thieme ist der etwas tollpatschige, ehemalige Fußballtrainer, der schon mal den Namen von Max vergisst. Die Darsteller agieren jederzeit spielfreudig und nehmen sich sowie ihre verqueren, spleenigen Figuren nie zu ernst.

Obwohl es seine erste Kinorolle ist, tritt ebenso Jona Eisenblätter als Max beachtlich selbstsicher und abgeklärt auf. Sein Filmcharakter eignet sich vorzüglich als Identifikationsfigur gerade für die jüngeren Zuschauer; Max findet im Laufe des Films zu sich selbst und entwickelt Selbstvertrauen, ist aber genauso mit emotionalen Konflikten und zwischenmenschlichen Problemen konfrontiert. So wird er in seiner neuen Klasse gemobbt und leidet sehr darunter, dass sein Vater die Familie verlassen hat. Rasant und mitreißend geht es in den nie zu dramatisch gefilmten, kurzweiligen "Actionszenen" zu, in denen allerlei (vor allem zweirädrige) Gefährte zum Einsatz kommen, vom Fahrrad bis zum Rollstuhl.

Fazit: Wunderbar unterhaltender, abgeklärt inszenierter Familienfilm, der auf raffinierte Weise eine spannende Detektivgeschichte mit Witz, Action, Coming-of-Age sowie nachdenklichen Momenten verbindet.




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