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Weathering With You
Weathering With You
© Universum Film

Kritik: Weathering With You (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Drei Jahre mussten sich die japanischen, zwei Jahre die deutschen Fans gedulden. Nun kommt Makoto Shinkais neuer Film endlich auch hierzulande in die Kinos. Die Erwartungen sind riesig und hausgemacht. Denn mit seinem Vorgänger "Your Name. – Gestern, heute und für immer" belegt Shinkai in Japan hinter "Chihiros Reise ins Zauberland" (2001) Platz zwei der erfolgreichsten Animes aller Zeiten; weltweit steht die Köpertauschromanze gar auf Platz eins.

Shinkai, der erneut das Drehbuch schrieb, erzählt abermals eine geerdete Liebesgeschichte mit fantastischen Höhenflügen. Statt auf Raum und Zeit nehmen seine jugendlichen Figuren dieses Mal Einfluss auf das Wetter. Dessen Lage spiegelt ihr Gemüt. So realistisch, beängstigend groß, dabei eng, wuselig und nachts leuchtend und flirrend hat man die Millionenmetropole Tokio in einem Animationsfilm selten gesehen. Und weil Shinkais Protagonisten rund um den Bahnhof Shinjuku auch das Rotlichtviertel streifen, mischt sich ein wenig Kriminalfilm unter die Coming-of-Age-Story.

Wie schon in "Your Name." gelingt es dem Regisseur und Autor, sein Publikum mit liebevoll gezeichneten Charakteren abzuholen. Seine Hauptfigur Hodaka ist schüchtern und unbeholfen, ein gut erzogener, aber auch ziemlich gutgläubiger Junge. Mit Hina steht ihm eine resolute Heranwachsende entgegen, die früher Verantwortung übernehmen muss, als ihr lieb ist. Im Zusammenspiel der beiden ergeben sich amüsante Szenen, die jeder aus der eigenen Jugend kennt: ein flapsig-tapsiges Abtasten, verschämte Blicke und das Gefühl echter Verbundenheit. Auch die Nebenfiguren sind durchweg sympathisch und besorgen eine ausgewogene Mischung aus Witz und Ernst.

Auf dem Papier macht Shinkai alles richtig, hat mit den Radwimps überdies die Band mit an Bord, die schon bei "Your Name." die eingängige Musik und den einprägsamen Titelsong beisteuerte. Und doch geht die Erfolgsformel dieses Mal nicht vollends auf. Das liegt in erster Linie an erzählerischen Schwächen. Bei einer Laufzeit von 114 Minuten hat die Handlung zum einen arge Längen. Zum anderen nutzt Shinkai diese knapp zwei Stunden an den entscheidenden Stellen nicht effektiv genug. Gerade die gemeinsamen Momente nach dem ersten Kennenlernen, in denen sich die Protagonisten einander annähern und ineinander verlieben, kommen zu kurz. An den Zauber des Vorgängers reicht das nicht ganz heran.

Fazit: Makoto Shinkai hat ein wunderbares Gespür für die Sorgen und Nöte junger Menschen und ein tolles Auge für schüchtern-verschämte Situationen. Beides stellt er in seinem neuen, vor allem in den Nachtszenen beeindruckend aussehenden Anime unter Beweis. Auch dieses Mal mixt er eine Lovestory mit fantastischen Einsprengseln und allerlei Genreversatzstücken. An den Zauber seines Kassenschlagers "Your Name." reicht dieser Film allerdings nicht ganz heran.




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