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Kritik: Alles außer gewöhnlich (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nach "Der Glanz der Unsichtbaren" kommt nun ein weiterer französischer Spielfilm in die deutschen Kinos, der von Sozialarbeitern erzählt, die sich engagierter für Notleidende einsetzen, als es das System vorsieht. Wie in dem oben genannten Film, in dem es um obdachlose Frauen ging, ist auch "Alles außer gewöhnlich" eng mit der Realität verzahnt, die er in eine Spielfilmhandlung übersetzt.

Das Regie-Duo Éric Toledano und Olivier Nakache ("Ziemlich beste Freunde") hatte bereits einen kurzen Dokumentarfilm für das Fernsehen über die beiden Männer gedreht, die sie zu den Filmcharakteren Bruno und Malik inspirierten. Es handelt sich um Stéphane Benhamou und Daoud Tatou, die sich mit ihren beiden Vereinen seit 2000 um Jugendliche mit Autismus kümmern. Bei Tatou geht es zugleich um die Eingliederung junger Menschen aus Brennpunktvierteln ins Berufsleben. Beim Dreh wurde mit echten Betreuern und Klienten zusammengearbeitet – so ist Benjamin Lesieur, der Joseph verkörpert, selbst Autist.

Bruno und Malik versuchen Tag für Tag, das Unmögliche zu schaffen und für ihre Schützlinge immer da zu sein, wenn es brennt. Bei Bruno landen Fälle wie Valentin, für die aus Kostengründen im Sozial- und Gesundheitssystem kein menschenwürdiger Platz vorgesehen ist. Junge Menschen, die sonst weggesperrt und ruhiggestellt würden, bekommen Ansprache, werden zum Schlittschuhlaufen oder auf den Reiterhof gebracht, erleben Gemeinschaft. Vincent Cassel und Reda Kateb spielen die beiden Hauptcharaktere als humorvolle Energiebündel und Idealisten. In einer charmanten Nebenhandlung geht es um Brunos Schwierigkeiten, eine Frau zu finden – ähnelt er doch stets einem Vogel, den das Geschrei der hungrigen Brut zur Pflicht ruft.

Der hoch spannende Film gerät zum überzeugenden Plädoyer für eine inklusive, tolerante Gesellschaft. Davon ist das staatliche System Frankreichs – und anderer europäischer Länder natürlich auch – aus ständigem Geldmangel, aus bürokratischer Gesinnung noch weit entfernt. Gefragt sind Vermittler wie Bruno und Malik, die sich mit Mut und Eigeninitiative zwischen alle Stühle setzen. Dass Bruno Jude ist und Malik Moslem, dass die jungen Betreuer überwiegend einen Migrationshintergrund haben, stellt ein weiteres Beispiel gelungenen sozialen Miteinanders dar, das die Regisseure in der Realität vorfanden.

Fazit: Die französischen Regisseure Éric Toledano und Olivier Nakache würdigen in ihrem spannenden Spielfilm zwei Helden des Alltags, die sich um Jugendliche mit schwerem Autismus kümmern. Die von Vincent Cassel und Reda Kateb mit Herz und Schwung gespielten Hauptcharaktere lehnen sich an zwei reale Vorbilder an, die angesichts der Mängel im Gesundheits- und Sozialsystem nicht verzagen, sondern lieber in die Hände spucken. Bruno und Malik lehnen sich für ihre Schützlinge weit aus dem Fenster in einer flotten, trotz aller Dramen ausgesprochen optimistischen und liebenswerten Geschichte.




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