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Kritik: The Grudge (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die von Takashi Shimizu erschaffene "Ju-on"-Reihe, eine Gruselsaga über einen todbringenden, von einer Familientragödie ausgelösten, von Mensch zu Mensch weiterspringenden Fluch rückte Anfang der 2000er Jahre auch ins Blickfeld Hollywoods. Sam Raimi, der unter anderem den Horrorklassiker "Tanz der Teufel" inszeniert hatte, konnte sich für den 2002 veröffentlichten Schauerstreifen "Ju-on: The Grudge" begeistern und brachte als Produzent 2004 mit dem von Ursprungsregisseur Shimizu selbst betreuten "Der Fluch – The Grudge" ein US-Remake in die Kinos. 2006 folgte eine Fortsetzung für die große Leinwand. Und 2009 erschien der direkt für den Videomarkt produzierte dritte Teil, an dem Raimi nicht mitwirkte. Elf Jahre später kehrt der Genrespezialist nun allerdings zu dem Stoff zurück und liefert gemeinsam mit Independent-Filmemacher Nicolas Pesce ("The Eyes of My Mother") einen Neuaufguss ab, den Letzterer als "Sidequel" beschreibt, eine Fortsetzung, die teilweise parallel zu den Ereignissen der Vorgängerwerke spielt und andere Figuren vorstellt.

Gleich zu Beginn begegnen wir dem aus dem ersten Film bekannten Gruselhaus in Tokio, das die Pflegerin Fiona Landers (Tara Westwood) 2004 nach unheimlichen Vorgängen Hals über Kopf verlässt. Als sie zu ihrer Familie nach Cross River im US-Bundesstaat Pennsylvania zurückkehrt, bringt sie unwissentlich einen Fluch aus Japan mit. 2006 schlägt Detective Muldoon (Andrea Riseborough) nach dem Tod ihres Mannes mit ihrem Sohn in eben jener Kleinstadt ihre Zelte auf. Und gleich ihr erster Fall hat es in sich. Der Fund einer stark verwesten Leiche führt die Polizistin zu einem Haus am Reyburn Drive 44, in dem sich, wie sie von ihrem Kollegen Goodman (Demián Bichir) erfährt, zwei Jahre zuvor Grausames ereignet hat. An der genannten Adresse trifft Muldoon auf die verwirrte, blutüberströmte Faith Matheson (Lin Shaye) und entdeckt zudem deren toten Gatten William (Frankie Faison). Während sich die Ermittlerin in weitere Nachforschungen stürzt, fühlt sie sich immer mehr von geisterhaften Erscheinungen verfolgt.

Kenner des japanischen Originals und der ersten beiden US-Verfilmungen dürften beim neuen "The Grudge" schnell ein Gefühl der Vertrautheit spüren. Auch Nicolas Pesce ordnet seine Geschichte nicht chronologisch an und präsentiert dem Zuschauer diverse, zu unterschiedlichen Zeitpunkten ablaufende Handlungsfäden mit verschiedenen Protagonisten. Bindeglied der Episoden ist das unheilvolle Haus am Reyburn Drive 44. Und als Hauptstrang fungieren die Recherchen Muldoons, über die wir immer wieder in die Vergangenheit eintauchen. Was sich komplex und raffiniert anhört, entpuppt sich in der Ausführung jedoch als recht durchschaubar und – gerade für Experten der Reihe – arg repetitiv. Die Spannung hält sich daher auch in engen Grenzen.

Ehrenwert ist allerdings Pesces Versuch, den Figuren in seinem Drehbuch etwas Profil zu geben und über schmerzhafte Hintergründe emotionale Akzente zu setzen. Leider gehen die Bemühungen nicht weit genug und treten häufig hinter uninspirierten Geisterbahneffekten zurück. Die Art und Weise, wie der Regisseur die regelmäßig eingebauten Schocks aufzieht, variiert nur selten und wirkt zunehmend ermüdend. Wer in seinem Leben auch nur ein paar Horrorfilme gesehen hat, wird sich hier sicher nicht aufs Glatteis führen lassen. Atmosphärisch bleibt "The Grudge" unter seinen Möglichkeiten. Selbst dann, wenn markante Szenen aus den Vorgängern zitiert werden. Ins eher enttäuschende Bild passen nicht zuletzt eine komplett hirnrissige Entscheidung Muldoons im Finale und die Erkenntnis, dass viele fähige Nebendarsteller – besonders Demián Bichir – sträflich unterfordert sind. Konnte Sam Raimi mit dem von ihm produzierten "Evil Dead", einer Neuinterpretation seines eigenen Klassikers "Tanz der Teufel", 2013 noch halbwegs überzeugen, scheinen er und seine kreativen Mitstreiter dieses Mal von allen guten Geistern verlassen. Eine Fortführung der "The Grudge"-Reihe hat es in dieser Form definitiv nicht gebraucht.

Fazit: Spukfilm, der Ambitionen erkennen lässt, mit einer spannungsarmen Erzählung und einer langweiligen Inszenierung jedoch gute Ansätze verspielt.




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