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oder

Kritik: Black and Blue (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dieser spannende, harte Actionthriller erzählt von einer jungen Polizistin, die zufällig Zeugin einer von korrupten Kollegen begangenen Hinrichtung wird. Alicia West muss nun um ihr Leben rennen und die Beweise, die ihre Körperkamera aufgenommen hat, sichern. Der von Regisseur Deon Taylor inszenierte Film widmet sich zugleich auch einem zweiten Thema, das ein ungelöstes Problem der US-amerikanischen Gesellschaft darstellt. Es ist die rassistisch motivierte Polizeigewalt gegen Schwarze.

Die geradlinige Afroamerikanerin Alicia, die gerade erst ihren Dienst bei der Polizei von New Orleans angetreten hat, blickt auf Streife in einem heruntergekommenen Viertel in hasserfüllte Gesichter. Wer schwarz ist und ein hellblaues Polizei-Uniformhemd trägt, hat in den Augen der afroamerikanischen Einwohner des Viertels die im Filmtitel genannten Seiten gewechselt und sich zu den rassistischen Feinden gesellt. Aber Alicia glaubt an Recht und Ordnung, vor allem auch in den Reihen der Polizei.

Die lebhafte, hellwach wirkende Naomie Harris ist das Herz dieses Thrillers, in dem die Zuschauer die gnadenlose Hetzjagd gegen ihren Charakter hautnah miterleben. Ihre Afghanistan-Erfahrung hat Alicia gestählt und mit Fähigkeiten versehen, die über jene einer durchschnittlichen Streifenpolizistin hinausgehen. Sie versteckt sich in einem Viertel, in dem sie keinerlei Verbündete hat, selbst ihr alter Bekannter Mouse will zunächst nur, dass sie so schnell wie möglich wieder verschwindet. Und das aus gutem Grund, wie eine Szene zeigt, in der ihn ein weißer Streifenpolizist, der Alicia sucht, demütigt und mit der Waffe bedroht.

Die Handlung ist mit ihren Verfolgungs– und Kampfszenen sehr actiongeladen. Für Spannung sorgt insbesondere das zunehmende Gefühl der Ausweglosigkeit, das entsteht, als der von Frank Grillo grimmig gespielte Malone ein Foto von Alicia postet und sie des Mordes am Neffen des Drogenbarons Darius bezichtigt. Nun macht das halbe Viertel ebenfalls Jagd auf sie. Das Thema der Öffentlichkeit spielt eine interessante, wechselhafte Rolle, ob nun in Form der polizeilichen Körperkamera oder der gezückten Handys, mit denen sich Falschmeldungen verbreiten lassen, aber auch eine wachsame Öffentlichkeit herstellen lässt. Auch die Kameraarbeit von Dante Spinotti ist beeindruckend, nicht zuletzt mit ihren städtischen Panoramen, die das soziale Gefälle in New Orleans sichtbar machen.

Fazit: Der von Regisseur Deon Taylor inszenierte Actionthriller beschränkt sich nicht auf eine einfache Geschichte über polizeiliche Korruption und Gewaltverbrechen. Er thematisiert auch den strukturellen Rassismus der Polizeigewalt gegen Schwarze. Die idealistische afroamerikanische Polizistin Alice West, die mit eingeschalteter Körperkamera Zeugin eines von Kollegen begangenen Mordes wird, muss sich selbst vor der Polizei verstecken. Das Publikum erwartet harte, hoch spannende Action mit gesellschaftskritischer Note.




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