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Queen und Slim
Queen und Slim
© Universal Pictures International

Kritik: Queen & Slim (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Für eine aufregende neue Entwicklung im US-amerikanischen Kino sorgen Filme, in denen sich das Lebensgefühl der schwarzen Bevölkerung ausdrückt. In "Moonlight", "Get Out", "Beale Street", "The Hate U Give" geht es um Erfahrungen wie Rassendiskriminierung oder soziale Benachteiligung, zugleich aber erwächst mit ihnen der afroamerikanischen Kultur eine Stimme, die im gesamtgesellschaftlichen Dialog noch allzu wenig vernommen wurde.

Die Fratze des Rassismus, die sich immer wieder in tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze entlädt, wird eindrücklich heraufbeschworen, als das Filmpaar, das die Spitznamen Queen und Slim trägt, in eine Polizeikontrolle gerät. Die Drehbuchautorin Lena Waithe und die Regisseurin Melina Matsoukas schildern mit authentischer Genauigkeit, wie und warum Queen und Slim um ihr Leben fürchten müssen. Danach verwundert es auch nicht, dass sie glauben, unweigerlich als Polizistenmörder verurteilt zu werden. Und so beginnt eine Geschichte, die dem traditionsreichen amerikanischen Genre des Roadmovies endlich eine afroamerikanische Variante hinzufügt. Und die hat man wirklich vermisst, wie einem diese schöne filmische Ballade bewusst macht.

Die Fahrt geht in den Süden, das ferne Echo der Geschichte der Sklaverei schwingt unausgesprochen mit. Aber auf diesem Roadtrip erleben Queen und Slim das Land als ihr eigenes, sie nehmen sein Versprechen von Freiheit, innerer Fesseln entledigt, beim Wort. Der Film fängt die Landschaft, auch Unscheinbares wie eine geflickte Asphaltstraße, die sich im Nebel verliert, wie Entdeckungen ein.

Daniel Kaluuya ("Get Out") spielt Slim als sanftmütigen, zunächst ängstlichen Mann, der selbstbewusster wird. Er unterbricht die Reise einmal, weil er spontan mit Queen zum Tanzen gehen will. Jodie Turner-Smith stellt Queen als schöne, sensible und zugleich starke Frau dar. Trotz der Gefahr, in der sie sich befinden, schaffen sich die beiden auf der Fahrt immer wieder schöne Momente. Dazu erklingt eine Musik, die mit Blues, Jazz und anderen Richtungen erfüllt ist von afroamerikanischem Lebensgefühl.

Onkel Earl und weitere markante Nebenfiguren drücken dem Roadtrip originelle Stempel auf. Manchmal halten Queen und Slim inne, ringen um Orientierung im Unbegreiflichen. Aus dem Off erklingen ihre Worte, die über den Moment hinausschweben. Solche Überhöhungen muten sehr elegant an. Am Ende wirkt die Symbolik zwar etwas überfrachtet, aber man verlässt das Kino berührt von bitterer Wahrheit, zartem Trost.

Fazit: Die Regisseurin Melina Matsoukas und die Drehbuchautorin Lena Waithe fügen dem Genre des amerikanischen Roadmovies ein beeindruckendes, aus schwarzer Perspektive erzähltes Exemplar hinzu. Ein afroamerikanisches Paar gerät am Abend seines ersten Treffens in eine Polizeikontrolle, die rassistisch aufgeladen auf fatale Weise aus dem Ruder läuft. Das Duo sieht sich zu einer Flucht ohne Wiederkehr gezwungen. Dem Film gelingt eine bewegende Verbindung von hartem, gesellschaftskritischem Realismus und poetischer Eleganz.




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