VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Coma
Coma
© Central Film © Capelight Pictures

Kritik: Coma (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nikita Argunovs Spezialgebiet sind die visuellen Effekte, was nun auch sein Regiedebüt in fast jeder Einstellung verrät. Wie der Filmheld Viktor staunt man nicht schlecht über die Architektur- und Naturlandschaften, die sich vor dem Auge des Betrachters in löchrige Gewebefetzen verwandeln. Gebäude stehen auf dem Kopf, Asien und Venedig sind nur einen Sprung entfernt, dünne und poröse Pfade verbinden wie auf einer surrealistischen Zeichnung Landflecken in einem verwegenen Panorama aus Materie und Vergehen.

Viktor befindet sich im Koma und was er sieht, sind Erinnerungen, nicht nur die eigenen, sondern auch die anderer Menschen, die sich im gleichen Zustand wie er befinden. Dieser russische Science-Fiction-Thriller besitzt also auch auf der inhaltlichen Ebene originellen Reiz. Die Figuren, die wohl im Hinblick auf eine internationale Vermarktung englische Namen wie Phantom, Spirit, Cable oder Tank tragen, laufen bewaffnet als Guerilla-Kämpfer herum in dieser Dystopie, die womöglich gar keine sein müsste.

Der Anführer der Komatösen erklärt dem Neuzugang Viktor nämlich, dass der Geist im Koma nicht an die Zwänge der Realität, die Prägungen der Vergangenheit gebunden ist. Jede, jeder von ihnen könne sich nun so entfalten, wie sie oder er es wolle – und dabei seine Begabung auch zu einer Art Superkraft wachsen lassen. Dafür aber gibt es noch kaum die nötige Muße. Die Komatösen sind ständig auf der Flucht vor den Reapern, sie werfen Granaten, kämpfen gegen bewaffnete Feinde in einer actionreichen Handlung.

Dennoch bleibt auch für Rivalitäten in der Gruppe Raum, für Romantik, Eifersucht und Fragen nach einem geheimen Zusammenhang zwischen der realen Welt und dieser. Auch Viktors späterer Ausflug in die reale Welt steigert die Spannung und reichert die Geschichte mit schräg anmutenden Wendungen an. Wer bei den traumwandlerischen Gedankenflügen in diesem mit den körperlichen Avataren auch physisch ausgefochtenen Überlebenskampf der Geister nicht mehr ganz mithalten kann, der darf sich trotzdem an den fantastischen Landschaften ergötzen. Sie kommen einer Leistungsschau der visuellen Computereffekte gleich. Der Mut zu wilden Ideen und Visionen macht diesen Actionfilm sehenswert.

Fazit: Der russische Science-Fiction-Thriller lässt seinen Helden in einer dystopischen Welt erwachen, in der eine Gruppe bewaffneter Überlebender auf der Flucht vor tödlichen Kreaturen ist. Die actionreiche Handlung entpuppt sich unter der Regie von Nikita Argunov als verblüffend originell, denn die Charaktere sind geistige Avatare ihrer Schöpfer, die im Koma liegen. Obwohl die zwischen realer und erdachter Welt taumelnde Handlung ganz schön vertrackt und schräg anmutet, geht ihr die Spannung nicht aus. Die surrealen, in ständiger Verwandlung begriffenen Bildlandschaften sind eine Augenweide und schicken die Fantasie gekonnt auf Reisen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.