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Gretel & Hänsel (2020)

Gretel & Hansel

Gezwungen moderne Hipster-Variante des Grimm-Märchens "Hänsel und Gretel", das die für Märchen typische psychologische Tiefe einer oberflächlichen Künstlichkeit opfert.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2.9 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 9 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Gretel und Hänsel leben mit ihrer armen, verwitweten Mutter in einem Häuschen im Wald. Weil sie ihre Kinder nicht mehr ernähren kann, werden die beiden von ihr schließlich verstoßen: Unter Führung der älteren Gretel irren die Geschwister durch das Gestrüpp, geplagt von Hunger und Heimweh. Schließlich stoßen sie auf ein in dieser tristen Umgebung geradezu einladend wirkendes Häuschen, ein Blick durchs Fenster verspricht zudem reichhalte Kost und Versorgung. Der kleine Hänsel schleicht sich ins Haus, sie skeptische Gretel folgt, doch beide werden von der Besitzerin, einer alten Hexe, entdeckt. Zu ihrer Überraschung wirft sie sie jedoch nicht hinaus, sondern nimmt das Geschwisterpaar auf und bietet zusätzlich zur Nahrung auch noch wärmende Betten an. Im Gegenzug verrichtet Gretel diverse Arbeiten im Haus, während Hänsel den Umgang mit der Axt lernt. Die Hexe führt Gretel auch in den Umgang mit schwarzer Magie ein, die sie in sich trägt – doch kein Geschenk ist ohne Haken, wie ein altes Sprichwort sagt: Als ihr kleiner Bruder eines Tages verschwindet, erkennt Gretel, dass die vermeintlich wohlwollende Herberge auf düsteren Geheimnissen gebaut ist, und sie muss all ihre Kräfte aufbringen, Hänsel aus den Fängen der Hexe zu retten.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse2 / 5

"Gretel und Hänsel" orientiert sich grob an der Grimm’schen Vorlage, fügt aber weitere Story-Elemente und mythische Aspekte hinzu und bemüht sich um eine zeitgemäße Modernisierung in Form einer vermeintlich emanzipatorischen Coming-of-age-Story, die die Entwicklung der Gretel in den Mittelpunkt stellt (während Hänsel zum nervigen Anhängsel degradiert wird). Das große Problem dabei: Der unbedingte Stilwille von Regisseur Oz Perkins (Sohn von Anthony Perkins) und die Künstlichkeit der Bilder überlagern eine inhaltliche Leere, die umso gravierender ist, da die Märchen und Mythen oft inhärente psychologische Tiefe einer platten Gefälligkeit geopfert wird.

Die Änderungen an der Originalstory wirken eher gewollt als schlüssig und verkommen zum Selbstzweck, anstatt neue Dimensionen zu der alten Geschichte hinzuzufügen, diverse Logiklöcher und ein eher holpriger Erzählfluss sind leider nicht von der Hand zu weisen. Die oben erwähnte Artifizialität, die Stilisierung der Bilder sind für sich genommen natürlich schon beachtlich und erinnern in Kombination mit dem dröhnenden und aus Soundlandschaften bestehdenden Soundtrack in den besten Momenten an Robert Eggers oder auch Nicolas Winding Refn. Die Farbpalette ist adäquat düster und verwaschen, Kerzenlicht und Schattenspiele sorgen zumindest ansatzweise für Atmosphäre und Schauerstimmung. Das Problem bleibt, dass es keinen verbindenden roten Faden gibt, der die wunderhübsche Bilderstafette zusammenhalten würde, und unter der barock ausgestalteten Oberfläche wenig winkt außer Klischees und halbgarer Drehbucheinfälle: Eine Hipster-Variante des Grimm-Märchens, die an ihrer Oberflächlichkeit laboriert und die für die Zuseher weder ansprechende Identifikationsfiguren bereithält, noch irgendwie emotional zu fesseln vermag.

Auch als geradlinige und upgedatete Horror-Variante, die inhaltliche Tiefe nicht unbedingt nötig hätte, geht "Gretel und Hänsel" nicht durch, da der Fokus klar auf Stil und Atmosphäre liegt und kaum Schockelemente vorhanden sind, die das insgesamt träge Pacing irgendwie aufpeppen würden. Letztlich scheitert Regisseur Perkins vor allem an seinem eigenen Anspruch, eine "alte Geschichte in neuem Gewand" zu erzählen. Denn das neue Gewand ist zwar gefällig und entspricht in vielerlei Hinsicht aktuellen Moden und dem Zeitgeist, dient am Ende aber doch nur dazu, gähnende Ideenarmut zu verdecken und auszuschmücken. "Gretel und Hänsel" mag zwar sein Publikum finden, in die Filmgeschichte eingehen wird dieser affektierte Arthouse-Horror aber mitnichten.

Fazit: Eher misslungene Neuinterpretation des bekannten Grimm-Märchens, das sich zu sehr auf seine tatsächlich vorhandenen visuellen Qualitäten verlässt und dabei völlig die Handlung oder seine Botschaft vergisst, die höchstens klischeehaft genannt werden kann: Schön anzusehen, nichts dahinter.




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Land: Kanada, USA
Jahr: 2020
Genre: Horror
Länge: 87 Minuten
Kinostart: 09.07.2020
Regie: Oz Perkins
Darsteller: Sophia Lillis als Gretel, Samuel Leakey als Hänsel, Charles Babalola als The Hunter
Verleih: Capelight Pictures

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