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L.A. Love Songs - der Sound meines Lebens
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© United International Pictures

Kritik: The High Note (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Zwei starke Frauen stehen im Mittelpunkt dieses humorvollen Dramas, das in der Welt der kalifornischen Musikproduktion angesiedelt ist. Die Regisseurin Nisha Ganatra ("Late Night") hat das erste Drehbuch von Flora Greeson verfilmt, die selbst in der Musikindustrie gearbeitet hat. Durch die Beziehung der jungen Hauptfigur Maggie zu der Popdiva Grace, der sie als persönliche Assistentin dient, weht ein Hauch von "Der Teufel trägt Prada". Aber das Verhältnis der beiden Frauen ist komplexer, denn es verbindet beide der Traum, künstlerisch neue Wege zu gehen.

Die schwarze Sängerin Grace hat nach Ansicht ihres Plattenlabels ein kritisches Alter erreicht. Sie soll nun in Las Vegas auf die Bühne gestellt oder besser gesagt, dort geparkt werden. Als Maggie ihr Mut macht, stattdessen doch ihren Traum von einem neuen Album zu verwirklichen, schleudert ihr Grace die ernüchternde Statistik der Branche entgegen. Die Zahl der Frauen über 40, die jemals einen Nummer-1-Hit landen konnten, ließe sich an den Fingern einer Hand abzählen!

Maggie hat großes Talent, Songs vorteilhaft zu arrangieren. Aber als junge Kreative bekommt sie in der Branche, in der sich Männer mit starkem Ego tummeln, einfach keinen Fuß in die Tür. Greeson und Ganatra brechen die eingefahrenen Muster auf und zeigen, dass Frauen ihre eigenen Wege gehen müssen. Dafür brauchen sie Mut, aber auch die Bereitschaft, zu kooperieren. Denn die Produktion von Popmusik funktioniert ja in der Regel als Zusammenarbeit mehrerer kreativer Köpfe.

Dakota Johnson gibt dem Film eine sympathische Erdung mit ihrer Darstellung Maggies als sanfter, freundlicher Person. Diese verliert trotz widriger Umstände fast nie die Fassung. Die Ruhe, mit der Johnson ihren Charakter durch stürmische Gewässer führt, ist allerdings auch eine Spur zu brav. Das passt zur Linie des Films, der eine milde Wohlfühlkomödie sein will und dabei zu wenig darauf achtet, die angeblich pulsierende Musikszene angemessen abzubilden.

Zwar wurden für den Film einige Songs komponiert und sowohl Tracee Ellis Ross – welche die Tochter der Soul-Legende Diana Ross ist -, als auch Kelvin Harrison Jr. singen ganz gut. Aber es fehlt dem Film dennoch an musikalischem Schwung, an elektrisierender Live-Atmosphäre. Die stimmungsvollen Kamerabilder mit leichter Abendröte oder den Lichtern der Nacht können dafür nur bedingt entschädigen.

Fazit: Der Spielfilm von Regisseurin Nisha Ganatra kreist um zwei starke Frauen, die sich in der von Männern dominierten Musikbranche von Los Angeles behaupten wollen. Eine Popdiva über 40 und ihre persönliche Assistentin, die lieber Produzentin sein will, fühlen sich von den auferlegten Regeln eingeengt. Dakota Johnson spielt die sympathische junge Hauptfigur, die die Selbstverwirklichung für beide vorantreibt, mit ruhiger Sanftmut. Eine Prise Romantik, die stimmungsvolle Kamera und auch die Musikstücke sorgen für Wohlgefühl, aber der Film wirkt insgesamt eher brav, als dynamisch.




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