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The Green Knight
The Green Knight
© 24 Bilder © Telepool

Kritik: The Green Knight (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der amerikanische Regisseur David Lowery hat bereits bewiesen, dass er ein kreativer Filmemacher ist. So überraschte er sein Publikum beispielsweise mit "A Ghost Story", einem stillen, aus der Perspektive eines Gespenstes erzählten Film. Nun interpretiert er eine englische Sage aus dem Mittelalter neu, deren Held Gawain ist, der Neffe König Arthurs. Der junge Mann muss mit einer außergewöhnlichen Prüfung beweisen, ob er ritterliche Tugenden wie Mut und Ehre besitzt. In dem eigenwilligen Fantasy-Abenteuer geht es auch um die Liebe und die Macht der Versuchung. Dev Patel wird in der Hauptrolle jedoch durch eine Inszenierung geschoben, der es vor allem um Effekte, Schnitte, Kamerabewegungen geht. Die streckenweise verwirrende, rätselhafte Handlung strandet immer wieder in spannungsarmen Abschnitten, in denen sich außer stilistischem Zauber nicht viel bewegt.

Der innere Motor der Geschichte kommt schon früh ins Stottern. Bereits beim Auftritt des Grünen Ritters hat man den Eindruck gewonnen, eine Art Pop-Märchen zu erleben. Aus der Tafelrunde wird zu Gawains Mutter geschnitten, die als Seherin das Ganze mitverfolgt, und auf ein magisches Ritual mit Feuer und Pflanzen. Die Kamera fliegt hin und her, zoomt heran, distanziert sich, blickt von oben aufs Geschehen. Der Grüne Ritter überreicht einen Brief, den die Königin mit männlich dunkler, verhexter Stimme vorliest. Ein Chor singt eintönig aus dem Off. All das hätte es im Grunde nicht gebraucht, um den roten Faden der Handlung zu verfolgen.

Später, als Gawain seine Reise zur Grünen Kapelle angetreten hat, geht diese auf bildstarke, rätselhafte Eindrücke setzende Inszenierung weiter, indem in die Handlung auch Visionen und Trugbilder verwebt werden. Gawain ist mal skelettiert, dann wieder lebendig, ebenso wie Winifred (Erin Kellyman), zu deren Hütte er kommt. Alicia Vikander spielt nicht nur Essel, sondern auch die verführerische Schlosslady und hat ein paar starke Momente. Dev Patel aber müht sich in einer Rolle ab, die nicht richtig zum Charakter reifen darf und emotional vermutlich nicht jeden berührt. Denn dafür verlässt sich der Film zu wenig auf Gawain, während er mit der Handlung sein Ballett vollführt. Hat Gawain magische Pilze gegessen, hat er sich in der Grünen Kapelle ehrenhaft verhalten? Wen kümmert es, wenn der Held durch eine allzu labyrinthische Geschichte irrt?

Fazit: Der Regisseur David Lowery gibt sich solche Mühe, die alte englische Sage von Gawain und dem Grünen Ritter in ein peppiges Fantasyspektakel zu verwandeln, dass er dabei sein Publikum aus den Augen zu verlieren droht. Dev Patel bekommt in der Hauptrolle wenig Gelegenheit, den Abenteuerfilm mit den Gefühlen zu füttern, welche durchaus zur Handlung gehören. Denn die Inszenierung tobt sich gerne auf stilistischem Gebiet mit Kamera, Schnitt, Effekten aus. Realität, Magie, Visionen verschwimmen zu oft rätselhaftem Geschehen und die Spannung bricht ein, wenn sich in üppig montierten Szenen wenig tut.




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