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Das Beste kommt noch - Le meilleur reste   venir
Das Beste kommt noch - Le meilleur reste venir
© Constantin Film

Kritik: Das Beste kommt noch - Le meilleur reste à venir (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Diese beschwingte, bewegende Tragikomödie der französischen Regisseure und Drehbuchautoren Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière ("Der Vorname") verfügt über eine zündende Idee. Es geht nicht nur darum, wie man sich angemessen von einer nahestehenden, todgeweihten Person verabschiedet und ihr hilft, das Leben bis zum Schluss auszukosten. Oder um die Frage, ob man ihr die Wahrheit vorenthalten darf. Für den Reiz des Films und die komödiantische Fallhöhe ist hier die verzwickte Ausgangslage entscheidend. Demnach weiß Arthur, dass sein Freund César Krebs hat und dieser wiederum meint, Arthur habe ihm seinen eigenen Zustand gebeichtet. So ist jeder der beiden Freunde auf besondere Rücksicht gegenüber dem anderen geeicht und zugleich gerührt von dessen selbstloser Zuwendung.

Mindestens genau so wichtig für den Filmgenuss ist, dass es sich um tolles Schauspielerkino handelt. Fabrice Luchini und Patrick Bruel stellen Charaktere dar, denen man gerne über Stock und Stein folgt. Auch wenn die Handlung ab und zu mal die Grenze zur Comedy streift und die Dialoge dann ein Hauch kindischen Klamauks umweht, ist auf die Hauptdarsteller Verlass. Luchini spielt den in nerviger Besserwisserei erstarrten Arthur als spröden Charakter. Freudlosigkeit ist sein ständiger Begleiter – bis zu dem Moment, als er den metallenen Kleiderbügel aus Césars Hand nimmt, um ihm dabei zu helfen, sein gepfändetes Auto zu klauen.

Césars Bespaßungsprogramm lockt, ja zwingt Arthur aus der Reserve – und in seinem entsetzten Gesicht spielt sich ab, wie er mit sich ringt, um dem Freund keinen Kummer zu machen. Dank César wird auch Arthur wieder schelmischer, lustiger, wie er als Kind einmal war. Vor allem der großartige Luchini ringt seinem Charakter viele Facetten ab und so wächst einem dieser immer mehr ans Herz. Patrick Bruel spielt einen etwas weniger komplexen Charakter, seine Aufgabe, für Energie, Unruhe und Abenteuerlust zu sorgen, meistert er aber mit Bravour.

Weil die Komik so gut funktioniert, drückt das Wissen um den nahenden Tod in der Geschichte über weite Strecken kaum auf die Stimmung. Das heißt aber nicht, dass der Tod seinen Stachel verliert und verharmlost wird. Denn am Schluss, nach einer weiteren überraschenden Wendung, baut die Handlung einen Durchbruch für die Gefühle ein, die Tränen können fließen. Dieses Kinoerlebnis stimmt insgesamt jedoch erstaunlich heiter und wirkt bereichernd, indem es an den Wert einer guten Freundschaft erinnert.

Fazit: Mit einer zündenden Idee und einem großartigen Schauspieler-Duo macht dieser Film dem französischen Komödiengenre Ehre. Unter der Regie von Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière entwickelt ein Missverständnis unter zwei Freunden, wer von ihnen beiden an Krebs erkrankt ist, ein aufregendes Eigenleben. Fabrice Luchini und Patrick Bruel liefern fesselndes Schauspielerkino in den Rollen der beiden sehr verschiedenen Charaktere, die sich gegenseitig beistehen wollen, während der eine von Schuldgefühlen über sein Geheimnis gemartert wird.




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