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Stillwater - Gegen jeden Verdacht
Stillwater - Gegen jeden Verdacht
© Universal Pictures International

Kritik: Stillwater - Gegen jeden Verdacht (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dieses Drama des Regisseurs Tom McCarthy ("Spotlight") ist lose inspiriert vom Fall Amanda Knox. McCarthy erzählt ihn keineswegs nach, sondern verwendet ihn nur motivisch für eine neue, fiktionale Geschichte. Matt Damon steht in der Rolle eines einfachen Mannes aus der amerikanischen Provinz im Zentrum einer in realistisch-nüchternem Stil erzählten Handlung, die viele Facetten hat. Sie ist auf durchaus spannende Weise Culture-Clash-Drama, Thriller, Romanze und die Geschichte einer schwierigen Vater-Tochter-Beziehung zugleich.

Damons Charakter stammt aus einer bildungsfernen Schicht, der nicht zuletzt in Europa das Image anhaftet, dem früheren Präsidenten Donald Trump zum Wahlsieg verholfen zu haben. Er betet vor jeder Mahlzeit und spricht Frauen wohlerzogen mit "Ma’am" an. Nach überwundener Lebenskrise versucht er, die Dinge "richtig zu machen", wie er einmal betont. Ein bisschen symbolisiert er wohl auch den amerikanischen Glauben, die eigenen Vorstellungen von Recht und Ordnung überall auf der Welt durchsetzen zu können. In Marseille jedoch wirkt er unbeholfen, um nicht zu sagen, aufgeschmissen. Seine Tochter ahnt das, sie hält wenig von ihm, der in ihrer Kindheit ohnehin durch Abwesenheit glänzte.

Damon verleiht diesem Mann sehr biedere Züge, und so bleibt es ein wenig rätselhaft, wie sich seine Freundschaft mit der französischen Theaterschauspielerin Virginie trotz aller Unterschiede in der Bildung und Mentalität so mühelos entwickeln kann. Gerade die Fremdheit, die Bill im Trubel der großen Stadt am Mittelmeer ausstrahlt, wirkt dramaturgisch reizvoll. Als Virginie ihn einem Theaterregisseur vorstellt, möchte dieser wissen, ob er Waffen besitzt. Trotz solch treffsicheren Humors ist es ein wenig schade, dass McCarthy die Figuren nicht rauer und lebendiger zeichnet, sondern aus Bill, Virginie und Maya über weite Strecken gar so etwas wie eine harmonische Familie konstruiert.

Während sich Bill in Marseille eingewöhnt und eine neue Lebendigkeit ausstrahlt, kristallisieren sich Parallelen zum Leben seiner Tochter heraus, die sich ebenfalls fortgesehnt hatte von daheim. Abigail Breslin kann allerdings in der Rolle der Allison wenig überzeugen, die Figur wirkt nicht nur undurchsichtig, sondern manchmal auch unbeteiligt, emotional nicht greifbar. Die Frage aber, ob Bill den mutmaßlichen Mörder findet, füttert die Geschichte zuverlässig mit Spannung.

Fazit: In diesem facettenreichen Drama des Regisseurs Tom McCarthy spielt Matt Damon einen Amerikaner in Marseille, der seine wegen Mordes verurteilte Tochter aus dem Gefängnis holen will. Dafür muss er aber erst den Mann finden, von dem seine Tochter glaubt, dass er ihre Mitbewohnerin umgebracht hat. Die nüchtern-realistische Inszenierung betont auf reizvolle Weise die kulturellen Unterschiede, die der Held in Frankreich und speziell in der Freundschaft mit einer Künstlerin erlebt. Zugleich kreist sie um die schwierige Vater-Tochter-Beziehung und bezieht aus der Suche nach dem mutmaßlichen Mörder solide Spannung.





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