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Kritik:(2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Wer sich bindet, verpasst andere Chancen, aber wer sich nicht bindet, wird nie erfahren, wie es ist, gemeinsam in eine neue Familie hineinzuwachsen. Wenn ein Paar in die Nestbauphase eintritt, folgt es dann eher den Erwartungen der Gesellschaft, oder der Stimme des Herzens? Was ist das überhaupt, die Liebe, und woran erkennt man, ob sie den Alltagstest besteht? Die Komödie von Regisseur Dietrich Brüggemann ("3 Zimmer/Küche/Bad"), für die er das Drehbuch mit seiner Schwester Anna Brüggemann schrieb, schildert die Zweifel und Unsicherheiten der Generation um die 30.

Die Entwicklung einer Beziehung zur Elternschaft wird in 15 Episoden, die über mehrere Jahre verteilt sind, exemplarisch und zuweilen auch surreal zugespitzt gezeigt. So bekommt der Film den Charakter einer Comedyshow. Diese weist zwar oft witzige Einfälle auf, zerdehnt sie aber gerne bis zum spannungsfreien Klamauk. Brüggemanns Vorliebe für statische, ungeschnittene Einstellungen schlägt sich nämlich in Szenen nieder, in denen sich der anfängliche Witz bald im Kreis zu drehen beginnt. Man möchte aber nicht in ein Sektglas schauen, bis die ganze perlende Spritzigkeit auch wirklich entwichen ist.

Wenn Michael vor den offen liegenden blutigen Därmen seines Patienten mit diesem über seine Beziehungszweifel zu reden beginnt, wirkt das zunächst skurril, aber das Gespräch dümpelt bald vor sich hin. Wenn Michael beim Zahnarzt ordentlich traktiert wird, weil dieser auch mal in Dina verknallt war, ist der beste Einfall der Szene die gefühlte Ohnmacht des Patienten angesichts des horrenden Kostenvoranschlags. Und als das Paar Dinas Mutter auf einer Kunstperformance besucht, wird die Satire über VIP-Armbändchen und die Regelungswut, zu welchem Drink welcher Gaststatus berechtigt, viel zu oft wiederholt.

So hat man den Eindruck, die Komödie könne sich selbst nicht immer festlegen, ob sie lieber Zeitgeist-Phänomene oder die Mühen der Paarbeziehung aufs Korn nehmen will. Für echte Schauspielkunst bleibt wenig Platz, denn die Szenen schildern mehr die individuellen Zweifel als das Miteinander und zwischen Dina und Michael gibt es wenig emotionalen Austausch. Die Lebendigkeit geht den meisten Szenen ab, während sie ins Vergeistigte oder Surreale abdriften. Was die Charaktere über die Liebe lernen, besitzt daher auch nur eingeschränkte Aussagekraft.

Fazit: Diese in 15 Comedy-Episoden unterteilte Beziehungskomödie von Regisseur Dietrich Brüggemann nimmt mit ironischem Witz Zweifel und Unsicherheiten der Generation der Dreißigjährigen unter die Lupe. Anna Brüggemann, die das Drehbuch mit ihrem Bruder verfasste, spielt mit Alexander Khuon ein Paar, das eine Familie gründet und nie weiß, ob das Glas des Glücks halb voll oder halb leer ist. In den Sketchen, die auch diverse andere Zeitgeistphänomene parodieren, bekommen die Ängste der beiden in zuweilen surrealen Verläufen ein Gesicht. Allerdings werden lustige Einfälle ohne Gespür für Timing zerdehnt und die Handlung wirkt insgesamt wenig lebendig.








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