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The Invite (2026)
Ein Ehepaar, ein Abendessen, und Nachbarn, die mehr wollen als nur Wein: Olivia Wildes "The Invite" ist nicht die erste Verfilmung eines katalanischen Theaterstoffs – und macht dabei vieles richtig.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
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Joe (Seth Rogen) und Angela (Olivia Wilde) sind seit fünfzehn Jahren verheiratet, doch ihre Beziehung wirkt, als halte sie nur noch die Höflichkeit zusammen. Joe unterrichtet mit wachsendem Frust Musik an einem Konservatorium in der Bay Area, Angela steckt ihre Energie in die perfekte Einrichtung der gemeinsamen Wohnung – und in diesen einen Abend. Zum Essen eingeladen sind die Nachbarn von oben: Pina (Penélope Cruz), selbstbewusste Sexologin und Psychotherapeutin, und ihr Partner Hawk (Edward Norton), pensionierter Feuerwehrmann mit einer Schwäche für Inneneinrichtung und für sehr direkte Fragen. Bislang kannte man sich vor allem aus dem Fahrstuhl – und durch Geräusche, die nachts von oben durch die Decke dringt.
Was als betont lockerer Abend mit Wein, Käse und Small Talk über Teppiche beginnt, kippt Stück für Stück in ein immer offeneres Gespräch über Lust, Monogamie und all das, was Joe und Angela sich seit Jahren nicht mehr sagen. Pina und Hawk, selbst ein Paar mit einem sehr eigenen Verständnis von Treue, drängen die Gastgeber dazu, Farbe zu bekennen – sich selbst gegenüber und einander. Aus der Dinnerparty wird eine Nachtsitzung, an deren Ende die Frage steht, ob diese Ehe gerettet werden kann, gerade weil sie in dieser Nacht in Frage gestellt wurde.
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Filmkritik
"The Invite": Präzision statt Party-Chaos
Olivia Wildes größte Leistung liegt nicht im Stoff selbst, denn den hat sie von Cesc Gay, übernommen, sondern in der Disziplin, mit der sie ihn inszeniert. "The Invite" ist kein Film, der aus der Enge der Wohnung ausbrechen will. Wilde bleibt konsequent innerhalb der vier Wände, verzichtet auf Rückblenden und Parallelhandlungen und widersteht jeder Versuchung, den Kammerspiel-Kern mit klassischen Kino-Mitteln aufzuweichen. Stattdessen setzt sie Kamera und Blocking gezielt ein, um Machtverhältnisse sichtbar zu machen: Wer die Küche kontrolliert, wer sich auf dem Sofa breitmacht, wer im Türrahmen verharrt, weil er noch nicht bereit ist, den Raum ganz zu betreten – all das erzählt hier fast so viel wie die Dialoge selbst.
Bemerkenswert ist zudem, mit welcher Geduld Wilde ihre Szenen atmen lässt. Sie hält Einstellungen oft länger, als es klassisches Comedy-Timing verlangen würde, und lässt Pausen, Blicke und das Unausgesprochene ihre Wirkung entfalten. Cesc Gay hatte das Thema 2015 zunächst als Theaterstück unter dem katalanischen Titel "Els veïns de dalt" (Deutsch: "Die Nachbarn von oben") herausgebracht. "The Invite" verleugnet dieses theatrale Erbe nicht, sondern nutzt es bewusst: Man sieht dem Film seine Bühnenherkunft noch an – in der strengen Einheit von Ort und Zeit, im klassischen Vier-Personen-Aufbau, in der Dramaturgie der schrittweisen Geständnisse. Das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint, nicht als Einschränkung.
Vier Personen, keine schwache Karte
Dass ein derart auf Dialog und Nähe angelegter Film nur so gut sein kann wie sein Ensemble, ist eine Binsenweisheit – umso bemerkenswerter, dass "The Invite" sie so souverän bestätigt. Wilde selbst gibt der verunsicherten Angela genau die richtige Mischung aus Kontrollzwang und Verletzlichkeit, ohne die Figur je lächerlich wirken zu lassen. Seth Rogen wiederum überzeugt jenseits seines etablierten komödiantischen Fachs: Sein Joe trägt eine stille Erschöpfung vor sich her, die weit über Pointen hinausgeht und daran erinnert, dass Rogen sein dramatisches Register in der Vergangenheit schon mehrfach unter Beweis gestellt hat, hier aber noch einmal eine Schicht tiefer geht.
Penélope Cruz gelingt das Kunststück, Pina nicht zur bloßen erotischen Projektionsfläche verkommen zu lassen, sondern ihr Intelligenz, Neugier und echte therapeutische Autorität mitzugeben. Und Edward Norton, der zuletzt mit seiner vierten Oscar-Nominierung für seine Verkörperung von Pete Seeger in "Like a Complete Unknown" daran erinnerte, zu welchen Nuancen er fähig ist, bekommt mit Hawk erneut eine Rolle, in der er sein komödiantisches wie sein emotionales Register gleichermaßen ausspielen kann – eine Gratwanderung zwischen Charme und einer Prise Zumutung, die er sichtlich genießt.
Es würde nicht überraschen, wenn diese Ensembleleistung in der kommenden Award-Season Widerhall findet, vielleicht sogar in Form einzelner Nominierungen. Wer davon am ehesten infrage käme, lässt sich dabei kaum seriös vorhersagen – und genau darin liegt die Stärke des Films: Keine der vier Figuren trägt den Abend allein, erst das Zusammenspiel macht ihn zu dem, was er ist.
Vom Theatersaal über Barcelona und Zürich nach San Francisco
Wer "The Invite" sieht, sollte wissen, dass die beiden Paare schon einige Adressen hatten, bevor sie in ihrem Loft in San Francisco landeten. Nach der Theaterfassung adaptierte Gay den Stoff 2020 selbst fürs Kino: "Sentimental" (international als "The People Upstairs" vertrieben) erhielt mehrere Goya-Nominierungen. 2023 folgte mit Sabine Boss' "Die Nachbarn von oben" eine deutschsprachige Schweizer Fassung, in der Ursina Lardi und Roeland Wiesnekker ein Zürcher Ehepaar spielten, das sich in seiner soliden Altbauwohnung mit einem deutlich jüngeren, freizügigeren Nachbarpaar konfrontiert sieht.
Außerdem gibt es eine italienische, eine französische, eine russische, eine tschechische und zuletzt eine koreanische Adaption des Stoffes. "The Invite" ist damit bereits die achte Verfilmung von Gays Theaterabend – und vermutlich die bislang aufwendigste. Wo die Schweizer Version ihre Figuren bewusst bürgerlich-bodenständig hielt, verschiebt Wilde das Setting demonstrativ nach oben: Ihre Wohnung ist keine gutbürgerliche Altbauwohnung mehr, sondern ein durchgestyltes Loft, dessen Inneneinrichtung selbst zur Nebenfigur wird. Diese Verschiebung ist mehr als Kulisse, sie verändert auch, worüber gestritten wird. Ging es im spanischen Original und in der Schweizer Fassung stärker um verpasste, eher bodenständige Lebensentwürfe, verhandelt "The Invite" seine Beziehungskrise vor der Folie eines amerikanischen Westküstenwohlstands, der Selbstoptimierung und Selbstinszenierung zur zweiten Natur gemacht hat. Der Grundkonflikt bleibt derselbe, doch der Kommentar, den der Film über seine jeweilige Gesellschaft abgibt, verschiebt sich mit jeder neuen Übersetzung des Stoffs – ein Umstand, der "The Invite" noch interessanter macht, wenn man ihn im Wissen um seine Vorgänger sieht, der aber auch für sich allein bestens funktioniert.
Fazit: "The Invite" schöpft aus einer denkbar einfachen Ausgangssituation – vier Menschen, eine Wohnung, ein Abend –, ohne sie durch Effekte künstlich aufzublasen. Dass ein derart reduziertes Kammerspiel so mitreißend, komisch und am Ende auch anrührend funktioniert, ist vor allem Wildes präziser Regiearbeit und einem Ensemble zu verdanken, das keine schwache Karte hat. Wer sich auf einen Abend voller unbequemer Wahrheiten einlässt, wird bestens unterhalten – und erlebt nebenbei, wie sich ein und dieselbe Geschichte über Bühne, Kontinente und Sprachen hinweg immer wieder neu erzählen lässt, ohne ihren Kern zu verlieren.
Olivia Wildes größte Leistung liegt nicht im Stoff selbst, denn den hat sie von Cesc Gay, übernommen, sondern in der Disziplin, mit der sie ihn inszeniert. "The Invite" ist kein Film, der aus der Enge der Wohnung ausbrechen will. Wilde bleibt konsequent innerhalb der vier Wände, verzichtet auf Rückblenden und Parallelhandlungen und widersteht jeder Versuchung, den Kammerspiel-Kern mit klassischen Kino-Mitteln aufzuweichen. Stattdessen setzt sie Kamera und Blocking gezielt ein, um Machtverhältnisse sichtbar zu machen: Wer die Küche kontrolliert, wer sich auf dem Sofa breitmacht, wer im Türrahmen verharrt, weil er noch nicht bereit ist, den Raum ganz zu betreten – all das erzählt hier fast so viel wie die Dialoge selbst.
Bemerkenswert ist zudem, mit welcher Geduld Wilde ihre Szenen atmen lässt. Sie hält Einstellungen oft länger, als es klassisches Comedy-Timing verlangen würde, und lässt Pausen, Blicke und das Unausgesprochene ihre Wirkung entfalten. Cesc Gay hatte das Thema 2015 zunächst als Theaterstück unter dem katalanischen Titel "Els veïns de dalt" (Deutsch: "Die Nachbarn von oben") herausgebracht. "The Invite" verleugnet dieses theatrale Erbe nicht, sondern nutzt es bewusst: Man sieht dem Film seine Bühnenherkunft noch an – in der strengen Einheit von Ort und Zeit, im klassischen Vier-Personen-Aufbau, in der Dramaturgie der schrittweisen Geständnisse. Das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint, nicht als Einschränkung.
Vier Personen, keine schwache Karte
Dass ein derart auf Dialog und Nähe angelegter Film nur so gut sein kann wie sein Ensemble, ist eine Binsenweisheit – umso bemerkenswerter, dass "The Invite" sie so souverän bestätigt. Wilde selbst gibt der verunsicherten Angela genau die richtige Mischung aus Kontrollzwang und Verletzlichkeit, ohne die Figur je lächerlich wirken zu lassen. Seth Rogen wiederum überzeugt jenseits seines etablierten komödiantischen Fachs: Sein Joe trägt eine stille Erschöpfung vor sich her, die weit über Pointen hinausgeht und daran erinnert, dass Rogen sein dramatisches Register in der Vergangenheit schon mehrfach unter Beweis gestellt hat, hier aber noch einmal eine Schicht tiefer geht.
Penélope Cruz gelingt das Kunststück, Pina nicht zur bloßen erotischen Projektionsfläche verkommen zu lassen, sondern ihr Intelligenz, Neugier und echte therapeutische Autorität mitzugeben. Und Edward Norton, der zuletzt mit seiner vierten Oscar-Nominierung für seine Verkörperung von Pete Seeger in "Like a Complete Unknown" daran erinnerte, zu welchen Nuancen er fähig ist, bekommt mit Hawk erneut eine Rolle, in der er sein komödiantisches wie sein emotionales Register gleichermaßen ausspielen kann – eine Gratwanderung zwischen Charme und einer Prise Zumutung, die er sichtlich genießt.
Es würde nicht überraschen, wenn diese Ensembleleistung in der kommenden Award-Season Widerhall findet, vielleicht sogar in Form einzelner Nominierungen. Wer davon am ehesten infrage käme, lässt sich dabei kaum seriös vorhersagen – und genau darin liegt die Stärke des Films: Keine der vier Figuren trägt den Abend allein, erst das Zusammenspiel macht ihn zu dem, was er ist.
Vom Theatersaal über Barcelona und Zürich nach San Francisco
Wer "The Invite" sieht, sollte wissen, dass die beiden Paare schon einige Adressen hatten, bevor sie in ihrem Loft in San Francisco landeten. Nach der Theaterfassung adaptierte Gay den Stoff 2020 selbst fürs Kino: "Sentimental" (international als "The People Upstairs" vertrieben) erhielt mehrere Goya-Nominierungen. 2023 folgte mit Sabine Boss' "Die Nachbarn von oben" eine deutschsprachige Schweizer Fassung, in der Ursina Lardi und Roeland Wiesnekker ein Zürcher Ehepaar spielten, das sich in seiner soliden Altbauwohnung mit einem deutlich jüngeren, freizügigeren Nachbarpaar konfrontiert sieht.
Außerdem gibt es eine italienische, eine französische, eine russische, eine tschechische und zuletzt eine koreanische Adaption des Stoffes. "The Invite" ist damit bereits die achte Verfilmung von Gays Theaterabend – und vermutlich die bislang aufwendigste. Wo die Schweizer Version ihre Figuren bewusst bürgerlich-bodenständig hielt, verschiebt Wilde das Setting demonstrativ nach oben: Ihre Wohnung ist keine gutbürgerliche Altbauwohnung mehr, sondern ein durchgestyltes Loft, dessen Inneneinrichtung selbst zur Nebenfigur wird. Diese Verschiebung ist mehr als Kulisse, sie verändert auch, worüber gestritten wird. Ging es im spanischen Original und in der Schweizer Fassung stärker um verpasste, eher bodenständige Lebensentwürfe, verhandelt "The Invite" seine Beziehungskrise vor der Folie eines amerikanischen Westküstenwohlstands, der Selbstoptimierung und Selbstinszenierung zur zweiten Natur gemacht hat. Der Grundkonflikt bleibt derselbe, doch der Kommentar, den der Film über seine jeweilige Gesellschaft abgibt, verschiebt sich mit jeder neuen Übersetzung des Stoffs – ein Umstand, der "The Invite" noch interessanter macht, wenn man ihn im Wissen um seine Vorgänger sieht, der aber auch für sich allein bestens funktioniert.
Fazit: "The Invite" schöpft aus einer denkbar einfachen Ausgangssituation – vier Menschen, eine Wohnung, ein Abend –, ohne sie durch Effekte künstlich aufzublasen. Dass ein derart reduziertes Kammerspiel so mitreißend, komisch und am Ende auch anrührend funktioniert, ist vor allem Wildes präziser Regiearbeit und einem Ensemble zu verdanken, das keine schwache Karte hat. Wer sich auf einen Abend voller unbequemer Wahrheiten einlässt, wird bestens unterhalten – und erlebt nebenbei, wie sich ein und dieselbe Geschichte über Bühne, Kontinente und Sprachen hinweg immer wieder neu erzählen lässt, ohne ihren Kern zu verlieren.
Markus Solty
Besetzung & Crew von "The Invite"
Land: USAJahr: 2026
Genre: Drama, Komödie, Romantik
Länge: 107 Minuten
Kinostart: 30.07.2026
Darsteller: Seth Rogen, Olivia Wilde, Penélope Cruz, Edward Norton, Skip Howland
Verleih: Tobis Film





