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Vicky Cristina Barcelona
Vicky Cristina Barcelona
© Concorde Filmverleih GmbH

Kritik: Vicky Cristina Barcelona (2007)


Woody Allen hat das kühle London aus „Match Point“, „Scoop“ und „Cassandra’s Dream“ zugunsten des sonnigen Spanien hinter sich gelassen: In Barcelona und Oviedo spielt seine romantische Komödie „Vicky Christina Barcelona“, ein atmosphärisch dichter, wenn auch oberflächlicher Sommerfilm.

Durch die Handlung führt ein süffisanter Off-Kommentator, dessen Funktion nur teilweise gerechtfertigt wird – wenn er nämlich Gedanken und Zeitsprünge erklärt. Sobald er allerdings erzählt, was man ohnehin sieht, nervt er.
Die Charaktere entsprechen Klischees: Da wären zunächst die titelgebenden jungen Amerikanerinnen, Vicky (Rebecca Hall) und Christina (Scarlett Johansson). Hall gibt die brünette, schlaue, bodenständige Studentin mit konkreten Eheplänen, Johansson mimt die impulsive, sinnliche Blonde mit künstlerischen Ambitionen und Sehnsucht nach Leidenschaft. Beide verbringen den Sommer in Barcelona, bei einer wohlhabenden Verwandten von Vicky.
Nach einer Reihe von klassischen Touri-Shots stolziert Javier Bardem als Juan (na klar) in die Handlung, ein einheimischer Künstler mit Schlafzimmerblick und wilder Ehegeschichte. Er bietet Vicky und Christina an, sich von ihm nach Oviedo fliegen zu lassen, wo man gemeinsam Wein verkosten und das Bett teilen könne – für Vicky eine dreiste, inakzeptable Machoanmache, für Christina das Abenteuer, auf das sie gewartet hat.
Und wer jetzt errät, mit wem Juan zuerst schläft, kriegt 'nen Keks…

Spannung stürmt in Gestalt von Pénelope Cruz in die liebliche Provinzidylle. Gekonnt spielt sie gegen das ihr angeschriebene Klischee der temperamentvollen – und hier auch gefährlichen – Spanierin an, als Maria Elena, Juans leicht hysterische und selbstmordgefährdete Ex. Gerade dewegen kommt man nicht umhin zu wünschen, Almodóvar würde von jetzt ab Allen die Zügel aus der Hand nehmen. Quasi Maria Elenas Gegenstück stellt Chris Messina dar, der als Vickys öder Yuppie-Verlobter in Barcelona auftaucht. Natürlich als diese beginnt, ihre Ehepläne zu hinterfragen.
Es folgen Liebesirrungen- und wirrungen, die in einer idyllischen Ménage-a-trois gipfeln. Dennoch beschleicht einen ständig das Gefühl, das nicht allzu viel passiert, während Allen immer wieder haarscharf an der Kitschgrenze vorbeischrammt – etwa mit Juans gar putzigem alten Väterlein – und die grundsätzlich grandiose Patricia Clarkson in einer undankbaren Nebenrolle als Plot-Beipackmittel verschleißt. Auch die Dialoge, eigentlich ja Allens Stärke, überzeugen nicht immer. Wenige witzige Wortgefechte werden von hölzernen Betrachtungen überdeckt.
Aber immerhin injizieren Christina, Juan, Maria – und natürlich Barcelona –  der Handlung natürlichen Charme in Schüben, so dass der Film zumindest schön anzusehen ist.

Ein rundum überzeugendes Werk wie „Match Point“ ist Allen mit seinem Ausflug in eine neue europäische Metropole nicht gelungen. Aber immerhin ein besseres Chick Flick mit gut gelaunten Darstellern und schwelgerischen, perfekt komponierten Urlaubsbildern. Nett, aber kein Muss.





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