VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Nachts im Museum 2 (2008)


Drei Jahre ist es her, dass Ben Stiller alias Larry Daley als sympathischer Loser, geschieden und auf Jobsuche, seine Sterne neu ordnen wollte und prompt einen heimtückischen Job als Nachtwächter im New Yorker "Museum of Natural History" ergatterte. Die Heimtücke lag im okkulten Reigen, der jede Nacht im Museum vonstatten ging: Die goldene Tafel des Pharaos Ahkmenrahs (eine Art große Telefonwahlscheibe mit Hieroglyphen anstelle von Zahlen) bewirkte, dass jede Nacht alle Exponate zum Leben erwachten. Vom früheren amerikanischen Präsidenten Teddy Roosevelt (Robin Williams), über Neandertaler bis hin zu T-Rex-Skeletten in Originalgröße, alles wurde auf magische Weise lebendig und der gute Larry hatte alle Hände voll zu tun, die Menagerie zur Raison zu bringen.
Inzwischen hat er es weit gebracht: zum Self-Made-Businessman, der die Eigenkreation einer innovativen Taschenlampe auf TV-Einkaufkanälen vertreibt und sogar Besuch von Prominenz in Form des zweifachen Box-Schwergewichtsweltmeisters George Forman erhält (die Boxlegende, die selber den so genannten George Forman-Grill in ähnlichen Shows vertreibt, parodiert sich hier selber).
Seine alten Freunde vom Museum hat er allerdings nicht vergessen. Ihnen blüht nun ein trauriges Schicksal: nicht mehr Zeitgemäß, geht es aufs Abstellgleis. Die Ausstellung soll modernisiert werden. Interaktivität lautet das Stichwort und die alten Exponate sollen nach Washington verfrachtet werden, um auf Nimmerwiedersehen im weitläufigen unterirdischen Archiv des Smithonian (des größten Museums weltweit) zu verschwinden. Die Tafel des Ahkmenrah soll hingegen in einem anderen Teil des weitläufigen Museumskomplexes ausgestellt werden. Keine Chance also für nächtliche Eskapaden. Larry lässt das zwar nicht kalt, der Businessman hat aber inzwischen besseres zu tun. Bis er eines Nachts einen Anruf vom Miniatur-Cowboy Jedediah (Owen Wilson) erhält: ein Hilferuf. Etwas Furchtbares geht im Smithonian vor. Als Larry sich dort abends einschleicht erlebt er eine Überraschung: Ahkmenrahs älterer Bruder Kahmunrah (Hank Azaria) ist zum Leben erwacht und möchte nicht nur die Herrschaft über das Smithonian erlangen, sondern mithilfe der Tafel, die noch einige nützliche Features mehr in Petto hat, gleich die ganze Welt erobern. Ihm zur Seite eine Bösewichts-Combo aus Iwan dem Schrecklichen (Christopher Guest), Napoleon Bonaparte (Alain Chabat) und Al Capone (Jon Bernthal). Doch auch Larry bekommt Unterstützung: Die reizende und voll emanzipierte Fliegerlegende Amelie Earhart (Amy Adams), die Frau, die als erste den Atlantik überquerte und sogar die gigantische Abraham Lincoln-Statue aus dem "Lincoln-Memorial" sind bereit ihm beizustehen: in der alles entscheidenden Schlacht im Smithonian.
Aufgepimpt und um reichlich neue (Gag)Ideen bereichert, hat Shawn Levy, der schon im ersten Teil Regie führte, die Fortsetzung des magischen Abenteuers. Wie der Vorgänger steht und fällt alles mit der Qualität der Animationstechnik und die ist vom Allerfeinsten. Flugsaurier, gigantische Riesenkraken und viel Luftfahrthistorisch-Spaciges sorgen immer wieder für echte Augenöffner. Doch ganz kann die Fortsetzung nicht an den eigentümlich-schrulligen Charme des ersten Teils anknüpfen. Mitunter liegt das daran, dass der Gruselfaktor reichlich zugunsten des reinen Klamauks gedämpft wurde.
Shawn Levy hatte beim Sequel eindeutig eine etwas andere Zielgruppe im Auge: Der Film ist wesentlich familiefreundlicher und kindgerechter geworden. Um einen halbwegs logischen Plot braucht man sich dann noch weniger Gedanken machen. Gag auf Gag gibt sich die Hand – manchmal tatsächlich als Aufguss der altbekannten – und es bleibt wenig Zeit diese bunte kaleidoskopartige Achterbahnfahrt allerfeinsten Popcorn-Entertaintments zu hinterfragen. Erst im Nachhinein wird man, insbesondere als älterer Kinofreund, der mehr die ursprünglichen Skurrilitäten, als die Slapstick- und Gagkanonade schätzt, möglicherweise etwas die Stirn runzeln. Solche Highlights, wie die rüstige Gangster-Rentnertruppe aus dem ersten Teil, die mit der Tafel bewaffnet ewiges Leben zu erlangen hoffte oder die schüchtern-charmante Romanze zwischen Teddy Roosevelt und der Indianerin, wird man schmerzlich vermissen. Diese altbekannten Figuren werden zur Randnotiz degradiert. Besonders schade um Attila den Hunnen und die Neandertaler-Truppe. Gab´s schon mal sympathischere Freaks? Zwar werden (wie zum Ersatz) eine Reihe neuer Figuren eingeführt, doch ein wenig fehlt dem Ganzen der besondere (mystische) Flair. Selbst der Oberbösewicht Kahmunrah wirkt nicht sonderlich bedrohlich; vielleicht sogar, leicht unfreiwillig, tuntig. Und dem Monsterkraken ist schlussendlich sogar mehr zum Kuscheln zumute. Ganz klar: Hier sollte auf keinen Fall ein Kind mit nächtlichen Albträumen aus dem Schlaf gerissen werden. Vor allem das Finale spricht Bände: Zahm, zahmer, zahnlos wie Museumsexponate halt sind. Und nicht einmal vor einer allerletzten verkitschten Wendung wird schlussendlich halt gemacht. Alles wird gut, in der Schlacht im Smithonian.

Fazit: Die Fortsetzung "Nachts im Museum 2" lässt sich wirklich so weggucken. Ein Riesenspaß mit dem Anspruchsniveau einer bunten Toffee-Mischung; doch einmal die Büchse der Pandorra geöffnet, wird man sich nur noch schwerlich beherrschen können, alles ratz-fatz und mit großem Vergnügen sich in den zu Kopf schieben. Nachdenken unerwünscht, aber anschnallen angesagt.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.