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Kritik: Der Ghostwriter (2010)


Seit Schauspieler, Regisseur, Autor und Produzent Roman Polanski 1965 mit seinem Thriller "Der Ekel" erstmals zur Berlinale geladen wurde (wo der Film prompt einen silbernen Bären abstaubte) ist er ein gern gesehener Gast auf der Berlinale. 1966 erhielt er für "Wenn Ketelbach kommt" den Goldenen Bären, 1972 brachte die Doku "Weekend with a Champion" ihm (und weiteren Regisseuren des Gemeinschaftsprojekts) eine "besondere Anerkennung" der Jury ein. Auch als Darsteller war er in mehreren Berlinale-Beiträgen zu sehen, zuletzt 2008, in einer Nebenrolle im Wettbewerbsbeitrag "Stilles Chaos". So ist es denn auch wenig verwunderlich, dass der Filmemacher mit seiner aktuellen Arbeit, dem Thriller "Der Ghostwriter", als einer der ersten zur diesjährigen Jubiläumsberlinale geladen wurde – obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits im schweizerischen Hausarrest auf seine Auslieferung nach Amerika wartet und gezwungen war die Postproduktion seines Films in Heimarbeit zu beenden.
Der fertige Film beweist nun, dass es sich bei der Einladung nicht um eine reine "Gefälligkeits" aus alter Verbundenheit handelte: Die Adaption des gleichnamigen Bestsellers von Robert Harris erweist sich als ein mit hervorragenden Darstellern gekonnt inszenierter Thriller alter Schule rund um Lügen, Mord und sonstige finstere Geheimnisse in den Hinterzimmern der Macht.
Schon die erste Szene weckt böse Vorahnungen: Auf einer Fähre bleibt ein Wagen zurück – vom Besitzer keine Spur. Später wird die Leiche eines Autoren angespült, der als Ghostwriter an den Memoiren des britischen Ex-Premiers arbeitete. Ein neuer Ghostwriter wird angeheuert – und darf fortan in eben jenem herrenlos aufgefundenen Auto, auf eben jener Insel arbeiten, die seinem Vorgänger den Tod brachte. Kein Wunder, dass den Mann, der im winterlichen Dauerregen in einer festungsähnlichen Gemeinheit moderner Architektur festsitzt, schnell mehr als rein berufliche Neugier packt.
"The Ghostwriter" kommt zwar insgesamt einen Tick langsamer daher als andere gegenwärtige Thriller-Produktionen, aber im Gegenzug gibt es nicht eine einzige überflüssige Szene. Zudem gibt der langsamere Schnitt mal wieder die Möglichkeit tatsächlich die Schauspieler bei ihrer Arbeit zu begutachten, was ja gelegentlich auch ganz nett sein kann - immer vorausgesetzt, die Schauspieler sind gut genug, dass sich das Zusehen lohnt. Und das sind sie in diesem Fall. Für die Hauptrolle, den titelgebenden Ghostwriter, engagierte Polanski Ewan McGregor, der gekonnt den ahnungslosen Normalo gibt, der sich in den Intrigen der Macht verheddert. Pierce Brosnan gibt den vom realen Leben komplett abgeschotteten Autraggeber, einen britischen Ex-Premier, der Tony Blair.-ähnlich wegen eines gemeinsam mit den USA begonnen Krieges massiv unter Beschuss steht, Kim Catrall gibt dessen strenge Assistentin/Geliebte. Besonders hervorzuheben sind allerdings Olivia Williams als Frau des Ex-Premiers und Tom Wilkinson als ehemaliger Professor – woran sich mal wieder zeigt, dass auch die kleinsten Nebenrollen wirklich "groß" sein können, wenn sie nur mit den richtigen Schauspielern besetzt werden.

Fazit: Empfehlenswerter, insgesamt stimmiger Polit-Thriller alter Schule– allerdings nichts für Geschwindigkeits-Freaks.





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