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Kritik: Mut zur Wahrheit (1996)


Ein kurzes Stoßgebet und dann geht es los: "Vernichten wir sie!" Daß sich die tollen eigenen Waffen auch gegen die tollen eigenen Soldaten richten können, wird bezüglich des Golfkriegs gerade vor Gerichten geklärt. Doch dieser angeblich erste Hollywoodfilm zur Operation Wüstensturm - noch schlimmere Machwerke wie In the Army now hat man wohl schon vergessen - beklagt andere Verluste. Der Panzerkommandant Serling (Denzel Washington) ließ in der Hitze des Nachtgefechtes einen eigenen Panzer hochgehen. Statt Klärung erhält der zerrüttete Offizier von seinem General einen speziellen Auftrag. Er soll die Verleihung des ersten Verdienstordens für eine Frau vorbereiten. Zwar posthum, aber dennoch eine Sensation. Als sich nach einigen Gesprächen mit Zeugen die heldenhafte Rettungsaktion der Hubschrauberpilotin Karen Walden (Meg Ryan) widersprüchlich darstellt, beharrt Serling auf seiner Suche nach der Wahrheit, auch wenn es ihn den Job kostet sollte...
Träge und uninteressant schleppt sich der doppelte Konflikt in der Seele des Offiziers dahin. Nur die Aufarbeitung von Kriegsschäden in der Seele der US-Nation bleibt bemerkenswert. Wie Serling versucht, die Alpträume des brennenden Freundes mit Alkohol zu löschen,
bemüht sich das Kriegsfilmchen, den Schuldgefühlen Absolution zu erteilen. Am Ende wissen wir es besser: Nicht der Krieg an sich ist mörderisch, nur Feigheit und Befehlsverweigerung führen zu Verlusten. Daß der Einsatz einer Frau zur Diskussion steht, bringt das Stichwort Emanzipation auf: Sterben fürís Vaterland können nach diesem Film auch junge Mütter - welch Segen der Gleichberechtigung. Weiter so, Soldaten! Wir freuen uns auf die nächsten Filme von zukünftigen Schlachtfeldern.
Daß Mut zur Wahrheit sehr militaristisch ist und Krieg in keinster Weise mit Zweifeln versieht, überrascht kaum noch. Immer wieder darf uns der Tod von Hunderten von Irakern kalt lassen. Die Schurken haben ja auch so teuflisch gelacht! Aber ein Bauchschuß in unseren Reihen, sogar bei Meg Ryan, geht doch tief. Zumindest blieb das Märchen von der "chirurgischen Kriegsführung" in der Kiste. Hier läuft das Kriegsspiel weiter so schön dramatisch, wie es sich Hollywood-Produzenten gerne vorstellen.
Regisseur Edward Zwick realisierte bereits Glory (1990) zusammen mit dem Schauspieler Denzel Washington. Damals ging es um die Ehre von schwarzen Soldaten im amerikanischen Bürgerkrieg. Auch Legenden der Leidenschaft (1995) bot Gelegenheit, einige blutige Schlachtengemälde groß vor der Kamera aufzuziehen. Hat hier jemand Schießen und Morden als Spezialgebiet oder einen Sonderauftrag der Army in Hollywood?
Es wäre einiges aufzuarbeiten: die verlogene Medienschlacht des Militärs, der Sinn des Golfkriegs und einige Wahrheiten hinter den Bildern von CNN. Am besten gelang dies bislang einem
kleinen, kurzen Film: (It was) Just a job - Mit diesen Worten charakterisierte General Schwartzkopf den Feldzug gegen den Irak.





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