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Looking for Richard (1996)

User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5.0 / 5

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Hätten die Engländer nicht irgendwann behauptet, daß die Amerikaner nichts mit Shakespeare anfangen können - vielleicht wäre die Herausforderung nicht angenommen worden. Aber sie wurde es. Al Pacino - uns nur bekannt als Filmschauspieler - möchte "Richard III.", dieses Drama über Macht und Morde, Lust und Laster, Vertrauensbrüche und Verrat, inszenieren. Mit Al Pacino in der Titelrolle - und auf der Bühne. Er fragt sich und die Welt: Wer ist Shakespeare, wer ist dieser Richard, warum überhaupt reizen ihn Stoff und Person - und warum das alles? Er bekommt soviele Antworten, wie er Fragen gestellt hat - nicht alle bringen ihn weiter, aber manche (von Vanessa Redgrave, Sir John Gielgud, Kenneth Branagh, Peter Brook, Kevin Kline, Rosemary Harris und anderen Fachleuten) öffnen Herz und Sinne so, daß die Engländer nie wieder so etwas Despektierliches über die Amerikaner sagen werden.
Dieser "Richard III." ist einmalig, und die Geschichte vom "making of ..." bietet alles, was das Kino will: Sex und Crime, Abenteuer und vor allem Gefühle - bei Shakespeare und bei Pacino, auf der Bühne und bei den Proben, beim Spaziergang urch New York oder den Central Park. Oder in London. Oder in den Köpfen. Diese Dokumentation von der Entstehung eines Stücks ist großes Kino, dessen Ausgang niemand kannte. "Durch die Gegenüberstellung des alltäglichen Lebens normaler Leute neben das der Schauspieler und ihrer Charaktere im Stück versuchen wir, eine Art Mosaik zu kreieren, das Shakespeare auf noch nicht dagewesene Weise zeigt " kommentiert Al Pacino sein zweites selbstfinantierte Filmprojekt. "Looking For Richard " ist eine Kombination von Szenen aus Shakespeares klassischer Tragödie "Richard III " und der Arbeit an der Inszenierung. Mit diesem Film zeigt Pacino, wie ein so zeitloses Stück sowohl auf erprobte Shakespeare-Mimen, aber auch auf Unbeteiligte wirkt. Für diesen interessanten filmischen Versuch gewann Pacino weltbekannte Darsteller, die neben ihren zahlreichen Filmen auch auf erfolgreiche Theaterstücke zurückblicken können. Al Pacino gehört zu den charismatischsten Künstlern des amerikanischen Kinos. Er studierte Schauspiel am "Actors Studio " von Lee Strasberg. Er erregte große Aufmerksamkeit in allen drei Teilen von DER PATE und setzte seine Karriere mit so entscheidenden Filmen wie "Serpico ", "Hundstage ", "Cruising ", "Scareface ", und "Sea Of Love " fort. Seine faszinierende Wandlungsfähigkeit zeigt Pascino u.a. "Dick Tracy ", "Frankie Und Johnny ", "Glengary Glen Ross " und "Der Duft Der Frauen ".

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Looking for Richard - Kevin Spacey, Julie MoretLooking for Richard - Al PacinoLooking for Richard - Al PacinoLooking for Richard - Al Pacino, Kevin Conway, Julie MoretLooking for Richard - Al PacinoLooking for Richard - Al Pacino


Filmkritik

Shakespeare-Verfilmungen sind nicht neu, und gerade das Jahr 1997 wartet unter anderem schon bei der Berlinale mit einem furiosen "Romeo & Julia" sowie später mit einem neuen "Hamlet" vom britischen Shakespeare-Star Kenneth Branagh auf. Derweil startet diese Woche "Al Pacino's Looking for Richard" mit nur acht Kopien in Deutschland und einem ganz anderen Konzept. Der Hollywoodstar läuft mit umgedrehter Schirmmütze fragend durch die Straßen von New York: Was weißt du von Shakespeares "Richard III"? Wieso war die Aufführung langweilig? Was bedeutet euch Shakespeare? Die Vorbereitungen einer Inszenierung, die dann nur in Fragmenten stattfindet, unterbricht Pacino immer mit Fragen und Erklärungen, wissenschaftlichen und komischen Einwürfen. Sein "Richard III" ist eine Fassung mit Kommentaren - im besten Fall. Vielleicht ist sie auch eine Readerís-Digest-Kurzfassung. Der Schauspieler, der ansonsten Millionen für seine Rollen bekommt, zeigt nun einen Minderwertigkeitskomplex gegenüber den großen britischen Shakespeare-Akteuren wie Sir John Gielgud oder Kenneth Branagh. Und: Bei der Erklärung einer Szene verhaspelt sich Pacino, beim Verteilen der Rollen vergibt er eine Figur, die zwei Namen führt, gleich an zwei Darsteller - war das didaktische Absicht? Oder sollten die amerikanischen Emporkömmlinge doch lieber die Finger von Shakespeare lassen? Die ersten Worte von Richard erläutert der Film noch detailliert, später sagt Pacino: "Man muß nicht jedes Wort verstehen. Das Wesentliche mitzubekommen reicht."

Al Pacino inszeniert jedoch nicht nur "Richard III", er führt gleichzeitig sich selbst auf. Selbstverliebt bleibt er im Zentrum, er gefällt sich mit den hehren Worten auf der Zunge. Dabei schlägt in den Kostümszenen immer wieder der typische Pacino durch und ist mächtiger als Richard. Ob mit Shakespeare oder mit Pacino, auf jeden Fall fordert "Al Pacino's Looking for Richard" die Auseinandersetzung heraus. Damit eignet sich der Film hervorragend zu einer Aktion der "Stiftung Lesen". Zum Film, der nur in Originalversion mit Untertiteln gezeigt wird, gibt es Begleitmaterial für Klassen der Sekundarstufe II und Sondervorführungen des Verleihers "Twentieth Century Fox". Die Kinoauswertung des Films soll sich über einen vergleichsweise langen Zeitraum erstrecken. Deshalb starten jetzt bundesweit nur acht Kopien. Der Film ist zuerst in Köln und Düsseldorf zu sehen. Interessierte Schulen sollten ihr Interesse den örtlichen Kinos kundtun.




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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: USA
Jahr: 1996
Genre: Drama
Länge: 118 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 30.01.1997
Regie: Al Pacino
Darsteller: Kevin Conway, Penelope Allen, Harris Yulin
Verleih: 20th Century Fox

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