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Looking for Richard
Looking for Richard
© 20th Century Fox

Kritik: Looking for Richard (1996)


Shakespeare-Verfilmungen sind nicht neu, und gerade das Jahr 1997 wartet unter anderem schon bei der Berlinale mit einem furiosen "Romeo & Julia" sowie später mit einem neuen "Hamlet" vom britischen Shakespeare-Star Kenneth Branagh auf. Derweil startet diese Woche "Al Pacino's Looking for Richard" mit nur acht Kopien in Deutschland und einem ganz anderen Konzept. Der Hollywoodstar läuft mit umgedrehter Schirmmütze fragend durch die Straßen von New York: Was weißt du von Shakespeares "Richard III"? Wieso war die Aufführung langweilig? Was bedeutet euch Shakespeare? Die Vorbereitungen einer Inszenierung, die dann nur in Fragmenten stattfindet, unterbricht Pacino immer mit Fragen und Erklärungen, wissenschaftlichen und komischen Einwürfen. Sein "Richard III" ist eine Fassung mit Kommentaren - im besten Fall. Vielleicht ist sie auch eine Readerís-Digest-Kurzfassung. Der Schauspieler, der ansonsten Millionen für seine Rollen bekommt, zeigt nun einen Minderwertigkeitskomplex gegenüber den großen britischen Shakespeare-Akteuren wie Sir John Gielgud oder Kenneth Branagh. Und: Bei der Erklärung einer Szene verhaspelt sich Pacino, beim Verteilen der Rollen vergibt er eine Figur, die zwei Namen führt, gleich an zwei Darsteller - war das didaktische Absicht? Oder sollten die amerikanischen Emporkömmlinge doch lieber die Finger von Shakespeare lassen? Die ersten Worte von Richard erläutert der Film noch detailliert, später sagt Pacino: "Man muß nicht jedes Wort verstehen. Das Wesentliche mitzubekommen reicht."

Al Pacino inszeniert jedoch nicht nur "Richard III", er führt gleichzeitig sich selbst auf. Selbstverliebt bleibt er im Zentrum, er gefällt sich mit den hehren Worten auf der Zunge. Dabei schlägt in den Kostümszenen immer wieder der typische Pacino durch und ist mächtiger als Richard. Ob mit Shakespeare oder mit Pacino, auf jeden Fall fordert "Al Pacino's Looking for Richard" die Auseinandersetzung heraus. Damit eignet sich der Film hervorragend zu einer Aktion der "Stiftung Lesen". Zum Film, der nur in Originalversion mit Untertiteln gezeigt wird, gibt es Begleitmaterial für Klassen der Sekundarstufe II und Sondervorführungen des Verleihers "Twentieth Century Fox". Die Kinoauswertung des Films soll sich über einen vergleichsweise langen Zeitraum erstrecken. Deshalb starten jetzt bundesweit nur acht Kopien. Der Film ist zuerst in Köln und Düsseldorf zu sehen. Interessierte Schulen sollten ihr Interesse den örtlichen Kinos kundtun.




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