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Kritik: Alien - Die Wiedergeburt (1997)


Die schwere Erblast einer Monstermutter:
Ripley (Sigourney Weaver) schaut den vor ihr stehenden Mann mit durchdringendem Blick an. Auch er merkt, daß irgendetwas mit ihm nicht in Ordnung ist. Mit weit aufgerissenen Augen werden seine artikulierten Fragen immer lauter, panischer. "Was ist in mir?" Schließlich gibt Ripley dem Wissensdrang des Verzweifelten nach, rückt ihm mit animalischem Trieb wenige Zentimeter vors Gesicht. "Da ist ein Monster in dir!" Weniger erschreckt durch diese Diagnose, als vielmehr abgelenkt, fast neugierig durch das seltsame Verhalten der Frau, wirft er eine existenzielle Frage in den Raum. "Und wer bist du?" Ein verschmitztes Lächeln auf den weiblichen Lippen. "Ich bin die Mutter des Monsters!"

Das ist der Clou, der geklonte Überraschungscoup der dritten Fortsetzung der 1979 ins Leben gerufenen Alien-Saga. Nachdem sich die vom außerirdischen Ungeheuer geschwängerte Ripley vor fünf Jahren zur Rettung der Welt noch in ein vernichtendes Glutbad warf, haben Wissenschaftler die fatale Symbiose aus menschlichen Genen und unmenschlichem Erbmaterial zurückerobert. Ripley ist wieder da, doch dieses Mal fließt eben auch böses Blut in ihr.

So konstruiert diese Reanimationsmaßnahme auf den ersten Blick auf uns wirken mag, so genial bringt sie eine neue Komponente mit ins Alienspiel, nicht zuletzt für eine Schauspielerin, die weit mehr zu bieten hat als einen durchtrainierten Körper. Sigourney Weaver hat nach den ersten drei Folgen endlich auch die Möglichkeit ihren damals menschlich eingeschränkten Mutterinstinkt auf eine andere Existenzform zu verlagern. Endlich ist es einmal Ripley, die nicht mehr einschätzbar ist, undurschaubar wirkt. Ripley hat Alienblut geleckt und eine Mami muß ihr Baby beschützen. So fasziniert uns eine fast damönische Figur im ersten Drittel des Films und so enttäuscht letztendlich, wie dieses anfangs so konsequent verfolgte Erwartungsspiel unter die Räder kommt. Denn zum guten Schluß, fast schon zur guten Mitte wird die Figur von Ripley zu dem, wie wir sie schon aus drei Filmen kennen. Das ist auch noch gut und nett, mehr aber auch nicht!

Bei aller Kritik an diesem bestimmt nicht dramaturgisch verantworteten Charakterumsturz - die Industriemetropole Hollywood läßt grüßen - sollte man trotzdem nicht vergessen, wie erstaunlich befriedigend eine mit solch hohen Erwartungen versehene Fortsetzung doch geworden ist. Nicht zuletzt der Einfluß des französichen Regisseurs Jean-Pierre Jeunet ("Delicatessen"), der gleichzeitig auch einen Teil seiner ehemaligen Arbeitskollegen mit in die Staaten nahm, sorgt für einigen frischen Wind, für Bilder, die an vielen Stellen eine faszinierende, fast surreale Atmosphäre erschaffen. Bleibt zu hoffen, daß trotz der, im Gegensatz zu den Geburtsstunden der Saga, bei weitem übertriebenen Digitalpräsenz des Aliens, auch ein Jean-Pierre Jeunet in die Fußstapfen eines Ridley Scott, James Cameron oder David Fincher treten kann.





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