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Kritik: In & Out (1997)


Verwirrungen am anderen Ufer

Es war im März 1994, als Tom Hanks für seine Darstellung eines Aidskranken in "Philadelphia" erstmalig den Oscar erhielt. Gerührt stand er auf der Bühne, hielt seine Trophäe in der Hand und begann mit bewegenden und pathetischen Worten seinen geliebten Freunden, den geschätzten Kollegen und der amerikanischen Nation zu danken. Und zwei seiner ehemaligen High School-Lehrer verdienten ein besonderes Lob: "Ich erwähne ihre Namen, weil sie zwei der edelsten, schwulen Amerikaner sind - zwei wundervolle Männer."

So funktioniert das in Amerika: öffentliches Outing Homosexueller vor
einem Milliardenpublikum. Was nun, dachte sich der findige Drehbuchautor Paul Rudnick ("Der Club der Teufelinnen"), wenn einer der geouteten Lehrer noch gar nichts von seinen Tendenzen zum anderen Ufer wüßte, geschweige denn seine Familie, Nachbarn und Schüler. Das ist der zugegeben etwas verrückte Ausgangspunkt für die turbulente Kleinstadtkomödie "In & Out". Für den Literaturpädagogen Howard Brackett (Kevin Kline) bricht eine Welt zusammen. Eigentlich wollte er in ein paar Tagen seine Verlobte vor den Traualtar führen. Und eigentlich fühlte er sich in seiner heterosexuellen Haut bisher ganz wohl. Doch wenn natürlich der richtige Anlaß einen erst zum nachdenken bringt, ist man sich der Eingleisigkeit plötzlich nicht mehr so sicher. Auf diese Weise werden Homoallüren entdeckt oder erstmals bewußt registriert:
Barbara Streisand-Vergötterung, feminine Gestik und modischer Geschmack.

"In & Out" ist die verspielte Geschichte um all jene Klischees zwischen Homophobien und Toleranzerrungenschaften. So wie man vor Jahrzehnten den Kampf zwischen den Geschlechtern als komödiantisches Sujet bediente, dürfen Männlein und Weiblein heute Geschlechterrollen und sexuelle Präferenzen wechseln. Und das ist richtig in und dazu noch ausnehmend witzig! Ob diese mediale Akzeptanz in Filmen, Seifenopern und Talkshows nun auch tatsächlich einer gesellschaftlichen Veränderung Rechnung trägt oder einfach nur ein weiteres massenwirksames Spielchen im Sensationszeitalter bleibt, wird ein jeder Zuschauer für sich selbst beantworten müssen. "In & Out" gibt beiden Varianten genügend Zündstoff, selbst wenn man den Film nur als zugegeben nette Unterhaltung konsumiert.





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