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Kritik: Ganz oder gar nicht (1997)


Es gibt sie halt doch noch, die echten Kerle. Sie sind zwar arbeitslos, aber Not macht eben erfinderisch. Und bevor man das Sorgerecht für die Kinder verliert, das Haus den Pfandeintreibern überläßt oder konzentrierte Autoabgase per Wasserschlauch inhaliert, springt man doch lieber über den eigenen Schatten. So werden sechs unbeschäftigte Stahlarbeiter ihr letztes Hemd geben und ums nackte Überleben kämpfen. Sie werden sich die Kleider vom Leib reißen, die letzten Hüllen fallen lassen und nackte Tatsachen präsentieren. Denn was die Chippendales können, ist für den selbstbewußten Arbeitslosen von heute schon gar kein Problem. Und der Heimvorteil beim weiblichen Publikum ist dem unwiderstehlichen Augenschmaus schon von vornherein sicher, wenn da nicht ein paar klitzekleine Problemchen wären. Denn wie verwandelt sich ein Hühnerbrüstiger in den Typ mit Astralformen? Oder wie bekämpft man innerhalb weniger Tage eine jahrelang Snickers-verwöhnte Paradewampe? Und zu guter letzt: Wie bringt man unmusikalische und ungelenke Körper zu rhythmischen Stripbewegungen?

Doch solche Unwegsamkeiten sind für Filme von der Insel schon lange nicht mehr unüberwindbar. "Ganz oder gar nicht” ist ein weiterer erfrischender Beitrag in der Reihe Arbeiterklassenkomödie mit ernsthaftem, sozialkritischem Hintergrund. Und nicht zuletzt ein Schauspieler entwickelt sich neuerdings zum unverkennbaren, aber dennoch unheimlich wandlungsfähigen Gesicht dieser so britischen
Kinohandschrift. Robert Carlyle gibt nach seinen Auftritten in "Riff Raff”, "Der Priester”, "Trainspotting” und "Carla´s Song" als Vater mit unkonventionellen Erziehungsmaßnahmen einen erneuten Beweis seiner "Rauhbein mit Herz”-Qualitäten. So wie er seine Figur mit ungebremsten Enthusiasmus dem Strip des Jahrhunderts entgegen treibt, entwickelt auch der Film einen kurzweiligen Elan inmitten von deftigen Dialogen, urkomischen Anekdoten und liebenswerten Gartenzwergen. Und während vor kurzem noch mit Pauken und Trompeten ("Brassed Off”) der Arbeitslosigkeit getrotzt wurde, wird "Ganz oder gar nicht” den Gebrauch von Frischhaltefolie neu definieren und "erweiterte” Maßstäbe des Körperkults setzen.
Denn nichts ist unmöglich.




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