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Zugvögel ... einmal nach Inari
Zugvögel ... einmal nach Inari
© Universum Film

Kritik: Zugvögel ... einmal nach Inari (1997)


Gerade rechtzeitig, da sich seit geraumer Zeit der neue deutsche Kino-Boom zwischen Schwachsinns-Komödie und Beziehuns-Schmonzes totzulaufen scheint, kommen in diesem Sommer zwei Filme ins Kino, die die Hoffnunf auf ein junges, frisches und unkonventionelles deutsches Kino mit hohen Unterhaltungsqualitäten nähren. Der eine ist ein Wunderwerk, heißt "Lola rennt" und stammt von Tom Tykwer. Der andere, und von ihm soll hier die Rede sein, heißt "Zugvögel..." und ist von Peter Liechtefeld, der beim ersten Film von Tykwer ("Die tödliche Maria") noch Aufnahmeleiter war.

Vor, über und hinter "Zugvögel" erstrahlt ein Pate und Vorbild des Regisseurs, und der heißt Aki Kaurismäki. Aber Lichtefeld kupfert mitnichten die Topoi des großen finnischen Lakonikers ab. Vielmehr variiert er sie spielerisch und schafft sich somit seinen eigenen Mikrokosmos, bei dem das Vorbild immer wieder durchschimmert, aber nie dominiert.

Mit Joachim Król ist Lichtefeld bei seinem Debüt gleich eine Idealbesetzung gelungen. Die Rolle des gutmütigen Bierkutschers Hannes mit seinem skurrilen Hobby scheint dem Darsteller einfach auf den Leib geschrieben. Hannes’ Freizeitbeschäftigung ist es dann auch, das die Geschichte umkreist bzw. vorwärtstreibt. All sein Sinnen und Trachten gilt nämlich den Geheimnissen der europäischen Bahnfahrpläne. Diese führen den schüchternen Dortmunder in den hohen Norden Europas, ins finnische (!) Inari, wo sich allerlei Eisenbahn-Verrückte zum 1. Internationalen Kursbuchwettbewerb einfinden. Den hierfür nötigen Sonderurlaub hat Hannes seinem Chef- ganz entgegen seinem Wesen - mit einem Fausthieb abgetrotzt. Daß der fiese Bierverleger darüber gar das Zeitliche gesegnet hat, hat Hannes nicht nmitgekriegt, bringt aber die Polizei ins Spiel, die in Gestalt von Kommissar Fanck (Peter Lohmeyer) dem vermeintlichen Täter nahkreist. Unterwegs lernt Hannes dann doch die Macht des Gesetzes.

Aber wie gesagt, des Autors und Regisseurs großes Vorbild ist Kaurismäki, und der ließ in seinen letzten Filmen seine verschrobenen Helden lang nicht mehr so im Regen stehen wie früher.
"Zugvögel..." haftet die Ruhe und Gemäschlichkeit einer angenehmen Bahnfahrt an, bei der nicht viel geredet wird. Trotz langer Einstellungen ist der Film einfallsreich inszeniert und mit einer ausgefeilten (und natürlich an Kaurismäki orientierten) Farbdramaturgie versehen. Die Kriminalgeschichte drängt sich zu keiner Zeit in den Vordergrund, so daß der ganze Film eine federleichte Beiläufigkeit ausstrahlt, die nie Gefahr läuft, in Langeweile umzukippen. Natürlich ist "Zugvögel.." nicht der ganz große Wurf, aber jederzeit ein sympathisches kleines Filmchen, daß nie vorgibt mehr zu sein und somit für ungetrübt gute Laune sorgt.





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