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Kritik: Elizabeth (1998)


Mit historischen Filmen, schon gar wenn die Geschichte einen explizit politischen Kontext hat, ist das so eine Sache. Wieviel an geschichtlichem Wissen soll der Film bei Zuschauer voraussetzen - Die Frage ist durchaus von zentraler Bedeutung bei diesem Genre. Setzt man zuviel voraus, kann es passieren, daß der Großteil der (überforderten) Zuschauer nicht in die Geschichte des Films "hereinkommt" und somit mit Desinteresse reagiert. Geht man umgekehrt von zu wenig Wissen aus und muß dies im Verlaufe des Films immer wieder nachliefern, kann man sich leicht verzetteln, und der Erzählfluß ist dahin. Zuschauerreaktion: siehe oben.

Leider mangelt es der englischen Produktion "Elisabeth" an der nötigen Ausgewogenheit was das Wie und Wieviel der Hintergrundinformationen anbelangt. Wer also nicht über die politische Situation in England Mitte des 16. Jahrhunderts bescheid weiß, der wird Probleme haben, sich in dem Film zu orientieren. Da helfen auch ein paar kurze Schrifteinblendungen nicht.
Der Film widmet sich einer der schillernsten englischen Staatsfrauen. Von 1558 bis 1603, sage und schreibe 45 Jahre, dauerte die Regentschaft von Elizabeth 1. In dieser Zeit dauernder Auseinandersetzungen mit dem Ausland sowie religiöser Streitigkeiten samt den dazugehörigen Intrigen nach innen, ist sowohl eine Herrschaft von fast einem halben Jahrhundert wie die schlichte Tatsache eines natürlichen Todes historisch bemerkenswert. Wie es dazu kam, und wie sich Elizabeth ihren Problemen stellte, das ist das Thema des zweistündigen Films.

Das Hauptaugenmerk des indischen Regisseurs Shekhar Kapur gilt naheliegenderweise der erstaunlichen Emanzipationsgeschichte des Stoffes. Immerhin war die junge Könogin bei ihrer Thronbesteigung politisch weitgehend unerfahren. Intelligenz und Instinkt werden es in erster Linie gewesen sein, die sie Intrigen, Mißgünsteleien und Ränkeschmiede immer wieder haben durchschauen und gegensteuern lassen. Was ihr letztlich den Kopf bis ins hohe Alter gerettet hat, dies legt uns der Film zumindest nahe, ist ihr jedoch ungebrochener Widerstand, sich um der Staatsräson willen verheiraten zu lassen.

Erzählt wird das Ganze, wenn auch mit unzureichend Hintergrundinformation versehen, in opulenten Bildern, die virtuos arrangiert sind. Bei aller Pracht ist die Inszenierung aber nicht frei von Manierismen. Die Kamera nimmt hin und wieder Extremsichten ein, die in keinem narrativen Zusammenhang stehen und sogar mißverständlich sind, wenn sie etwa die Position eines heimlichen Beobachters einnimmt, obwohl tatsächlich gar keiner da ist. Auch die Dramaturgie von "Elizabeth" ist nicht allzu glücklich, da der Film nach hinten ein bißchen unentschlossen versandet. Unterm Strich bleibt also leider ein keineswegs ungetrübtes Kinoerlebnis, wobei die erwähnten Minuspunkte zumindest zu einem Teil von einer exzellenten Darstellerriege aufgewogen werden.




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