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Von Löwen und Lämmern
Von Löwen und Lämmern
© 2007 Twentieth Century Fox

Kritik: Von Löwen und Lämmern (2007)


Keine leichte Filmkost, diese vielschichtige Anklage gegen das eigene System nach dem Motto" Lieb’ Vaterland magst ruhig sein." Der Vorzeigeliberale, neben dem altersverklärten Clint Eastwood ("Letters from Iwojima"), Robert Redford, hier als Regisseur, Protagonist und Produzent in Personalunion, entfacht einen subtilen Drei-Fronten-Krieg: In seinem bislang politischsten Film-Himmelfahrtskommando rechnet er tapfer, professionell und logisch ab; und zwar mit maliziöser Machtgier, kopfloser Kriegstreiberei und indifferenter Inkompetenz. Seine Gegner in Washington sind übersättigte, frustrierte und unengagierte Studenten, angepasste Medien und natürlich politische Demagogie.

Sein Ziel: versagte Politik, verblendete Medien und ein verschlafenes, verschlossenes US-Bildungssystem. In beinahe filmischer Echtzeit führt er uns zwei der drei Szenarien in behaglichen Büros vor; aber wie! Hier wird um jeden Millimeter gefightet, in scharfen Dialogen und zynischen Anmerkungen, glücklicherweise auf einer immer noch angenehmeren Weise als die um ihr nacktes Leben in den schneebedeckten amerikanischen Jungsoldaten Ernest und Arian, die in Afghanistan auf dem eisigen Gebirgs-Plateau um ihr nacktes Leben ringen. Für sie wird, wie für alle eher passiven anderen, jede Hilfe zu spät kommen.

Wie sich Meryl Streep und Tom Cruise belauern, umkreisen, zuschlagen, sich in die Ecken des verbalen Kampfringes zurückziehen, um wieder überraschend zuzuschlagen, ist famos anzusehen. Dabei bedarf es keiner großen Erläuterung wie brillant die Charakterikone wieder einmal interpretiert.
Redford als Professor Malloy selbst wirkt gegenüber seinem faulen Eleven Todd (Andrew Garfield) wesentlich gemäßigter, pädagogischer und plausibler. Aber weder die TV-Journalistin noch der gemäßigte Dozent können etwas bewirken, die beiden freiwilligen Klassenkameraden haben sich längst freiwillig zum heiklen Einsatz gemeldet, der Primus wird nicht so recht motiviert und die erfahrene (als Konsequenz ihrer Weigerung joblose) Journalistin darf wieder einmal nicht die nackten Tatsachen publizieren. Was bleibt, sind Tote, Trauer und Tränen. Und wenn Meryl Streep am Ende des Films an weißen Soldaten-Kreuzen vorbeifährt, ist eigentlich alles symbolisiert, alles gesagt; Keiner hat etwas Rationales oder gar Optimistischeres bewirken können, auch nicht Redford, weder in seiner Filmrolle, noch als Filmemacher selbst.

Wie heißt es? Keine Atempause, Geschichte wird gemacht. Unabhängig davon, ob sie gut oder grausam gesteuert wird. Den Gegenkurs steuert Robert Redford - in seiner sehr sympathischen Art zwar bravourös, aber was kann verzweifelte Vernunft gegen vollidiotischen Fanatismus bewirken?





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