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12 Meter ohne Kopf
12 Meter ohne Kopf
© 2009 Warner Bros. Ent.

Kritik: Zwölf Meter ohne Kopf (2008)


Neulich, im 15. Jahrhundert: "Zwölf Meter ohne Kopf" setzt auf moderne Sprache und Musik. Könnte funktionieren – wenn denn die Handlung spannend und die Dialoge schlau oder zumindest witzig wären, was über weite Strecken nicht der Fall ist. Dafür hauen die Piraten dann ständig Sprüche wie "Freiheit für Friesland" oder "Fick die Hanse" raus.
Überhaupt, die Sprache: Nach einem vielversprechenden, witzigen Einstieg wird man mit einem viel zu geschwätzigen Voiceover zugetextet, das Störtebekers legendäre Taten nacherzählt. Zu sehen bekommt man davon nicht allzu viel. Danach kann sich der Film nicht entscheiden, ob er lieber Kumpeldrama oder Klamotte wäre. In Sachen Kamera und Kostüme funktioniert er immerhin – aber nur bis zur Maske, da sich Piraten und einige andere Bewohner des Jahres 1401 anscheinend nie das Gesicht waschen.
Wenigstens ein leuchtendes Plus ist Matthias Schweighöfer als Gödeke Michels, der Ronald Zehrfeld als Störtebeker – eine Art blasser Russell Crowe für Arme – locker an die Wand spielt, obwohl seine Rolle es ihm im Laufe des Films immer schwieriger macht: Der kompromisslose Freiheitskämpfer und Draufgänger mutiert zum brachialen Wüterich. Ob zwei Anflüge von Lebensmüdigkeit dazu passen, sei dahingestellt.
Bei Störtebeker ist die Wandlung zumindest motiviert: Eine Stichwunde, die eigentlich hätte tödlich sein müssen, sowie die Zuneigung der kessen alleinerziehenden Bille ("Ich könnte mir auch was Besseres als Kellnern vorstellen") bringen ihn dazu, sein Leben zu überdenken, was sich in der Sprache eines schon leicht angestaubten Sozialpädagogen äußert. Charakter dichtet man Störtebeker dann unter anderem mit einer völlig überflüssigen Ekelszene an, in welcher er als verzweifelter Gefangener eine Spinne verspeisen muss.
Dann kreuzt auch noch Detlev Buck auf, in einem selten aufdringlichen Cameo, nach dem man sich besorgt fragen muss, wer jetzt noch alles kommt. Otto? Fips Asmussen? Könnte vom Humor her glatt hinhauen.

Leider, vor allem im Hinblick auf die ersten zehn Minuten, ist "Zwölf Meter ohne Kopf" kein witziges norddeutsches Freibeuterabenteuer, sondern ein viel zu geschwätziger und gewollter Buddymovie mit Piraten drin geworden. Dabei sind Kamera und Ausstattung Geschichte und Dialogen, welche öfter mal in Richtung Klamotte oder rührselige Bromance torkeln, weit überlegen. Auch ein großartiger Schweighöfer kann das Ruder nicht rumreißen, zumal Zehrfeld in der Titelrolle bestenfalls nett anzusehen ist, aber uninterssant spielt.
Und auch wenn man davon ausgehen kann, dass Störtebeker und Kumpanen keine Intellektuellen waren, könnte man ihnen zumindest ein ganz klein wenig Schläue und Witz zuerkennen, anstatt nur halbstarkes Prollgehabe mit pseudoromantischen Anflügen.




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