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Kritik: Notting Hill (1999)


Während romantische Komödien à la Hollywood zumeist im eigenen Kitsch ersticken, ist "Notting Hill" – ein weiterer Film nach Schema "Boy meets Girl" – die liebenswerte und charmante Ausnahme von dieser abgedroschenen Regel. Daß Julia Roberts und Hugh Grant sich schließlich kriegen müssen, ist dabei sonnenklar. Ihre beiden Filmfiguren Anna Scott und William Thacker scheinen schon deshalb füreinander bestimmt zu sein, weil ihre Charaktere grundverschieden sind: Julia Roberts sucht ein Buch und findet einen Mann.

Das ist der Stoff, aus dem Komödien sind, und in der Tat: Der Staumbaum dieses Starvehikels kann sich sehen lassen. Das Drehbuch nämlich brachte Richard Curtis zu Papier – ein ausgewiesener Meister britischen Humors, der unter anderem schon Grants "Vier Hochzeiten und ein Todesfall", Rowan Atkinsons "Bean" und zwei "Blackadder"-Specials schrieb. Auch diesmal hetzt er wieder eine Gruppe leicht exzentrischer Figuren aufeinander, die mit trockenen Einzeilern dafür sorgen, daß sich die Liebschaft zwischen Glamour-Girl und Buchverkäufer nicht zwischen Kitsch und altbekannten Versatzstücken verliert.

Spielt Julia Roberts dabei am Ende nur sich selbst? Die Schauspielerin bestreitet dies mit Vehemenz, der Gedanke aber drängt sich dennoch auf. Doch auch Hugh Grant ist hier genaugenommen nicht viel mehr als jener liebenswerte Tolpatsch, der für die große Diva umso attraktiver wird, je mehr er sich in ihrer Gegenwart zum Affen macht.

Dank seiner britischen Herkunft ist "Notting Hill" eine gewitzte Filmromanze, wie man sie heutzutage leider viel zu selten in den Kinos sieht: Statt platter Lieblichkeit gibt's eine Prise Ironie, und wenn die Hindernisse auf dem Weg zum Happy-End mal wieder völlig überzogen wirken, stehlen dem geplagten Paar die Nebenfiguren stets genau zur rechten Zeit die Schau.

Rico Pfirstinger


Der neueste Streich aus der Feder des erfolgreichsten britischen Drehbuchautors Richard Curtis ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall") zeigt geradezu exemplarisch, wie sog. romantische Komödien, ein Genre das weltweit gleichermaßen verständlich ist, funktionieren. Konfrontiert und final zusammengeführt werden gegensätzliche Welten und kontroverse Charaktere. Das periphere Personal muß originell bis schrullig sein und für sorgsam plazierte und perfekt getimte Gags sorgen. Vor allem aber muß die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmen. All dies und vor allem letzteres trifft auf "Notting Hill" zu. Julia Roberts und Hugh Grant gehen mit geradezu schlafwandlerischer Sicherheit in ihren Rollen auf. Ihnen zuzuschauen ist einfach die helle Freude und hilft spielend über kleinere Durchhänger in der Geschichte hinweg. Da mag die Romanze zwischen dem schüchternen Buchhändler und dem Filmstar "objektiv" betrachtet noch so märchenhaft sein, das anrührende Spiel der beiden macht die Geschichte jederzeit glaubhaft.
Der in seiner schwach frequentierten Reisebuchhandlung vor sich hin dümpelnde William Thucker traut seinen Augen nicht, als eines Tages mit Anna Scott ein leibhaftiger Weltstar seine angestaubte Hütte betritt. Seine unbeholfenen Gesprächsversuche vertreiben die Diva aus Beverly Hills aus der Vorstadtbuchhandlung in Notting Hill. Einige Minuten später laufen sich die beiden dann erneut über den Weg. Diesmal quasselt William Anna nicht voll, dafür schüttet er ihr eine ordentliche Portion Obstsaft über. Sie läßt sich überreden, sich in seiner benachbarten Wohnung zu säubern. Ausgerechnet hier in der chaotischen WG-Atmosphäre findet die verwöhnte Anna Gefallen am unbeholfenen Charme von William. Sie, die seit Jahren jedwede Bodenhaftung aus beruflichen Gründen verloren hat, entdeckt plötzlich das ganz normale Leben. Die beiden so völlig unterschiedlichen Menschen kommen sich näher, und Anna willigt schließlich ein, William zum Geburtstagsfest seiner Schwester zu begleiten. Die dort versammelte Gemeinde, ein fröhliches Sammelsurium von spleenigen Kauzen, staunt nicht schlecht über Williams Begleitung. In der Folge verbringen die beiden ein paar unbeschwerte Tage zusammen, bis, völlig überraschend, Annas Freund aus Hollywood auftaucht. Fürs erste ist die kuriose Romanze also beendet. Doch gerade als William über den Trennunsschmerz hinweg ist, steht Anna erneut vor seiner Tür. Sie ist auf der Flucht vor der berüchtigten britischen Journaille, die ihr sensationsheischend auf den Pelz gerückt ist. William gewährt nicht nur Unterschlupf, er verliebt sich erneut. Und abermals nimmt das Ganze eine tragische Wendung. Aber aller guten Ding sind bekanntlich nicht zwei.
Wie alle stimmigen (sog.) romantischen Komödien lebt auch "Notting Hill" nicht ausschließlich von der Liebesgeschichte. In diese vom Autor geschickt eingewoben wurde ein kluger Exkurs über das Berühmtsein und den begleitenden Boulevardjournalismus. Das Erfrischendste am Drehbuch ist jedoch der souveräne Umgang mit Rollenklischees, die hier nicht einfach angestrengt umgedreht, sondern spielerisch durcheinandergewirbelt werden. Somit ist "Notting Hill" ein gänzlich ungetrübter Filmspaß mit Tiefgang.





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