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Robert Pattinson mit seinen 'Bel Ami'-Co-Stars...alast
Robert Pattinson mit seinen 'Bel Ami'-Co-Stars Holliday Grainger und Christina Ricci bei der Ankunft im Berlinale-Palast
© Berlinale

Berlinale 2012: Der Abschluss

Nach der Verleihung der Preise am Samstag geht heute mit dem Publikumstag die 62. Berlinale zuende

Bei der 62. Berlinale sollten nach Wunsch vom Direktor Dieter Kosslick politische oder gesellschaftliche Umbrüche und ihre Auswirkungen auf die Menschen im Vordergrund stehen, was dem Festival einen leicht düsteren Anstrich verpasste - tatsächlich ging es in vielen der 23 Wettbewerbsbeiträgen, sowie in zahlreichen anderen der mehr als 300 Filme um Krieg, Revolutionen, Verrat und zerrüttete Familien. Das Publikum ließ sich davon jedoch nicht abschrecken: Insgesamt wurden (bis gestern) etwa 300.000 Karten verkauft. Die Initiative Berlinale goes Kiez kam auch in diesem Jahr wieder gut an. Bei dieser Reihe zieht der "Fliegende Rote Teppich" des Festivals von Programmkino zu Programmkino und besucht das Berliner Publikum in seinen Kiez-Kinos.
Viele Stars reisten in diesem Jahr in die Stadt: Zwischen dem 9. und 19. Februar liefen unter anderem Angelina Jolie, Brad Pitt, Christian Bale, Antonio Banderas, Billy Bob Thornton, John Hurt, Clive Owen, Michael Fassbender, Keanu Reeves, Salma Hayek, Robert Pattinson, Christina Ricci, Juliette Binoche, Isabelle Huppert und Bollywood-Star Shah Rukh Khan über den roten Teppich. Meryl Streep, die mit einem Ehrenbären und einer Retrospektive ihrer besten Filme gefeiert wurde, begeisterte die Besucher am Dienstag.

Das Programm fing am ersten Wochenende mit Christian Petzolds Barbara, James Marshs Shadow Dancer und dem französischen Entführungsdrama A moi seule stark an, ließ dann aber im Laufe der nächsten Woche stetig nach, mit Gurken wie "Cherry" - einem dumm-dreisten Softporno mit Indiepatina, sowie einem schwer gelangweiten James Franco in einer Nebenrolle - bei dem man sich fragt, warum er überhaupt auf dem Festival läuft. Als später Höhepunkt entpuppte sich am Freitag "War Witch" (Rebelle), ein Drama über Komona (Rachel Mwanza), ein elfjähriges Mädchen im Kongo, das aus ihrem Dorf entführt und zur Kindersoldatin gedrillt wird. Klingt demprimierend, ist jedoch ein eher hoffnungsvoller Film, mit überzeugenden schamanistischen Szenen - Komona hat Visionen, in denen ihr Tote erscheinen - und einer zarten Liebesgeschichte. Mwanza, die zuvor noch nie vor der Kamera stand, wurde zurecht als beste Darstellerin ausgezeichnet.

Am Freitag lief außerdem "Bel Ami", die eher von Teenagern, als von Kritikern mit Spannung erwartete Verfilmung des gleichnamigen Romans von Guy de Maupassant. Mädchenschwarm Robert Pattinson ist darin nicht nur halbnackt zu sehen ist, sondern beglückt auch gleich mehrere Stars - Christina Ricci, Uma Thurman und Kristin Scott-Thomas. Die "Twilight"-Fans dürften entzückt sein. Für alle anderen: Der Film ist ein durchschnittliches, solide gespieltes Historiendrama ohne wirkliche Höhepunkte.
Interessanter war die anschließende Pressekonferenz, in der Pattinson und Ricci einige Details zu ihren Rollen verrieten: Ricci musste sich für eine Halbnacktszene Achselhaare wachsen lassen (der Film spielt im 19. Jahrhundert), was ihr weniger Spass machte. Pattinson, der in "Bel Ami" tatsächlich häufig diabolischer als Edward dreinblickt, freute sich indes darüber, nicht trainieren zu müssen - 1890 waren Six Packs nicht angesagt. Außerdem gab er kund, dass er in einer weiteren "Twilight"-Fortsetzung - falls Stephenie Meyer noch eine schreibt - vermutlich nicht auftreten wird, weil er "schon jetzt zu alt" sei, um einen ewig 17jährigen zu spielen. Seinen Kopf rasierte er übrigens nicht für eine Filmrolle, sondern "einfach so".

Die Entscheidung der Jury ging auch in diesem Jahr wieder an den Kritiker-Lieblingen vorbei: Statt "Barbara", "War Witch", ##f-2993545### erhielt Cesare deve morire - Cäsar muss sterben - ein Dokumentarfilm über Insassen eines römischen Hochsicherheitsgefängnisses, die mit zwei Regisseuren Shakespeares "Julius Cäsar" einstudieren - den Goldenen Bären. Die vier Favoriten erhielten dafür in anderen Kategorien ein paar Preise.
Kosslick präsentierte in diesem Jahr ein Programm mit wenigen Ausfällen, das auf der Höhe der Zeit liegt. Zu lachen gab es wenig, was natürlich dem übergreifenden Thema geschuldet ist. Und Hollywood blieb fast ganz außen vor, was durch die kontinuierliche Präsenz von Stars nicht weiter auffiel.
Allen, die intelligente Dramen mit lakonischem Humor mögen, sei hiermit noch einmal "Barbara" empfohlen. Der Film kommt am 8. März in die Kinos.


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