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In weiter Ferne, so nah mit Peter Falk und Otto Sander
In weiter Ferne, so nah mit Peter Falk und Otto Sander
© Tobis

TV-Tips für Freitag (6. Februar): Berlinale-Zeit, Berlin-Zeit

3sat zeigt "In weiter Ferne, so nah"

Zwei deutsche Produktionen sind heute Abend empfehlenswert. Und weil gerade in Berlin die Filmfestspiele begonnen haben, sollte man auch cineastisch in die Hauptstadt zurückkehren: Mit Wim Wenders' Fortsetzung zu seinem Berlin-Drama "Der Himmel über Berlin". 3sat zeigt "In weiter Ferne, so nah".

"5 Jahre Leben", Arte, 20:15 Uhr:
Es gibt Geschichten, die das Leben schreibt. Aber es gibt auch Geschichten, von denen man hofft, dass das Leben sie nie geschrieben habe. Die von Murnat Kurnaz gehört dazu. Der Murat Kurnaz wurde in der Hysterie nach den Anschlägen auf New York City und Washington als Häftling ohne Anklage von 2002 bis 2006 im Internierungslager auf der Guantanamo Bay Naval Base auf Kuba festgehalten, gefoltert und in Isolationshaft gesteckt. Die Amerikaner wollten von ihm ein Geständnis erpressen, in die Machenschaften der islamischen Terroristen verwickelt zu sein. Stefan Schaller drehte seinen Debütfilm 2013 als Diplomarbeit an der Filmakademie Baden-Württemberg. Der Regisseur hatte bereits 2005 von dem Fall erfahren und die Geschichte nie aus den Augen verloren. Mit Unterstützung diverser Sender der ARD entstand das Drama schließlich in Brandenburg und in den Studios Babelsberg. Schaller inszeniert den Streifen in weiten Teilen wie ein Kammerspiel - dem Verhör von Kurnaz (Sascha Alexander Gersak) durch Gail Holford (Ben Miles) - und vermittelt dabei die Enge, die Schikane und die Reizberaubung in Guantanamo eindringlich und beklemmend. Die großartigen Schauspielleistungen leisten das Ihre, um die Unmenschlichkeit des Systems deutlich werden zu lassen. Martina Knoben schrieb bei Süddeutsche.de: "Wenn Stefan Schaller die Leidensgeschichte des prominenten Ex-Häftlings Murat Kurnaz ins Kino bringt, um mit den Mitteln des Spielfilms auf das Unrecht dieses Lagers hinzuweisen, dann ist das an sich schon eine gute Sache. Selbst dann, wenn der Film nicht durchweg gelungen ist, oder wenn er am Ende zu harmlos sein sollte – das jedenfalls hat der echte Murat Kurnaz dem Film attestiert." Kurnaz nahm an der Kinopremiere des Films in Berlin teil.



"I am Legend", Pro 7, 22:30 Uhr:

Richard Matheson's Erfolgsroman "I Am Legend" von 1954 hat inzwischen drei Horrorfilmen als Vorlage gedient: In "The Last Man on Earth" kämpfte Arzt Vincent Price 1964 einsam gegen die durch eine Epidemie in Zombies verwandelten Mitmenschen; sieben Jahre später tat es ihm Charlton Heston in "The Omega Man" gleich. 2007 kam die Romanverfilmung nun unter ihrem Originaltitel in die Kinos - mit hohen Erwartungen (computergenerierte Bilder sorgten für mehr Möglichkeiten, eine verlassene Welt wie das von Grün überwucherte New York realistisch darzustellen) und Star Will Smith als One-Man-Show. Der 150 Millionen Dollar teure Film war ein voller Erfolg, der allein in Nordamerika 256 Millionen Dollar einbrachte. Aber er wurde nicht ganz zu der definitiven Verfilmung des Romans, die sich viele Fans erhofft hatten. Klassische Schauspielkunst war für den Erfolg mehr verantwortlich als die Special Effects - es ist der superbe Will Smith, der diesen Film trägt, während die computergenerierten "Zombies" eher lächerlich wirken. Dass sich die Filmemacher um Regisseur Francis Lawrence (der gerade die "Hunger Games" inszeniert hat) sichtbar schwer taten, einen befriedigenden Schluss zu finden, ist offensichtlich.



"In weiter Ferne, so nah!", 3sat, 22:35 Uhr:
Sechs Jahre nach seinem großen Erfolg mit "Der Himmel über Berlin" brachte Regisseur und Drehbuchautor Wim Wenders 1993 diese Fortsetzung ins Kino. In diesen sechs Jahren hatte sich Gewaltiges getan: Berlin war keine geteilte Stadt mehr, die Mauer Geschichte. Im vereinten Berlin wird der Engel Cassiel (Otto Sander) zum Erdenbürger, als er ein kleines Mädchen rettet. Er durchstreift die Höhen und Tiefen des Lebens, findet alte und neue Freunde und kann verändernd in die (Lebens-)Geschichten der Menschen eingreifen. Als die Menschen, die er liebt, bedroht sind, greift Cassiel, dessen Erdenzeit begrenzt ist, ein letztes Mal ein. An die Qualität von "Der Himmel über Berlin" kommt dieses deutsche Drama zwar nicht heran, ist aber dennoch sehenswert. Die vorzügliche Kameraarbeit von Jürgen Jürges, die hervorragenden Darsteller und die Botschaft des Films, seine Wärme und viele anrührende Momente sorgen für ein Seherlebnis, das auch die Juroren in Cannes überzeugte: Das Werk gewann den Großen Preis der Jury (der Hauptpreis der Goldenen Palme ging in jenem Jahr indes an "Lebewohl meine Konkubine" und "Das Piano"). Bemerkenswert sind die prominenten Gastauftritte: Neben Willem Dafoe, Lou Reed, Peter Falk und Michael Gorbatschow ist zum letzten Mal Heinz Rühmann zu sehen, der nach 16 Jahren Kinopause noch einmal auf die Leinwand zurückkehrte. "Ich bin tief berührt von diesem Film", meint ein Zuschauer aus Dortmund. "Ich denke noch immer über ihn nach - seine Implikationen, die Schauspieler, insbesondere Otto Sander, und die Wärme und Zärtlichkeit, die er vermittelt. Dieses intellektuelle Kino empfehle ich jedem, der auf ganz tiefe Art und Weise bewegt und berührt werden möchte."





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