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John Wayne in The Shootist
John Wayne in The Shootist
© Paramount Pictures

TV-Tips für Freitag (10.7.): John Wayne's letzter Schuss

ARD zeigt "Der letzte Scharfschütze"

John Wayne's letzter Film - und einer seiner besten. Die ARD zeigt heute Abend im Nachtprogramm "Der letzte Scharfschütze". Wem das zu spät ist oder wer keine Western mag, der kann im Sat1-Hauptprogramm im Drama "Love and Other Drugs" Jake Gyllenhall als Viagra-Verkäufer erleben.

"Love and Other Drugs - Nebenwirkung inklusive", Sat1, 20:15 Uhr:
Ein Pharmazie-Vertreter (Jake Gyllenhaal), der für Pfizer arbeitet, freundet sich in den Neunzigern in Pittsburgh mit einer Frau (Anne Hathaway) an, die an Parkinson leidet.

Edward Zwick basierte seine Komödie von 2010 auf dem Sachbuch "Hard Sell: The Evolution of a Viagra Salesman" von Jamie Reidy aus dem Jahr 2005, das in der Presse als "Geständnisse eines Viagra-Verkäufers" bezeichnet wurde, und siedelte die Produktion unter anderem deshalb in Pittsburgh an, weil die Stadt eine lange medizinische Tradition vorweisen kann. Die satirischen Elemente der Handlung mit dem wenig schmeichelhaften Einblick in das Geschäft von Pharmaunternehmen und bestechlichen Ärzten beißt sich des öfteren mit den tragischeren Ereignissen rund um die Erkrankung von Hathaway's Charakter und versucht die Balance zwischen Tragik und Komik zu halten.

Zusammengehalten werden die unterschiedlichen Elemente von den beiden glänzenden Hauptdarstellern, die beide für einen Golden Globe nominiert wurden, und Zwick's begrüßenswerten Tonfall, der auf ein erwachsenes Publikum abzielt und auf alberne Obszönitäten verzichtet. Dazu gehört auch, dass die Sexszenen zwischen den zwei Darstellern auch wie solche aussehen. Anne und Jake schmeißen sich mit Verve und richtig nackt in diese Szenen - dem Realismus der 20th Century Fox-Produktion tut das gut. Allerdings ließen sich die zwei Schauspieler vertraglich zusichern, dass nichts auf der Leinwand erscheinen würde, was ihnen unangenehm erschiene.

In den USA floppte "Love and other Drugs". Kritikerin Anna Smith schrieb für "Time Out": "Schlussendlich unterminiert der unentschlossene Ton die romantische Auflösung. Aber man muss die Ambitionen des Films bewundern, die er mit seinem rotzfrechen Helden teilt."



"Zatoichi - Der blinde Samurai", 3sat, 22:35 Uhr:
Der blinde Masseur und Schwertkämpfer Zatoichi (Takeshi Kitano) kommt in eine Stadt, die von kriegführenden Clans beherrscht wird. Während er sich bei einer Bauernfamilie niederlässt, trifft er zwei Frauen mit eigenen Plänen.

Zatoichi ist eine der erfolgreichsten Figuren der japanischen Film- und Fernsehgeschichte. 1962 hatte der blinde Schwertkämpfer seinen ersten Leinwandauftritt, dem bis 1989 weitere 25 folgten. Von 1974 bis 1979 liefen 100 Folgen einer Fernsehserie. Die Filmrechte lagen bei Chieko Saito, einer Freundin des verstorbenen Original-Zatōichi-Darstellers Shintaro Katsu. Sie wandte sich an Regisseur und Drehbuchautor Kitano mit der Bitte, die Filmreihe fortzuführen.

Und Kitano machte sich mit der aus seinen Filmen wie "Hana-Bi" und "Brother" bekannten Verve ans Werk, choreographierte wundervolle und unvergessliche Kampf- und Action-Szenen und ließ die Leinwand in brillanter Raserei explodieren. Dazu kamen gesunde Dosen von Komik und Musikeinlagen, und fertig war ein blutiger Abenteuerfilm, der zugleich schön und lustig ist.

Für Kitano wurde der Film ein Triumph, setzte weltweit 32 Millionen Dollar um und wurde so sein erfolgreichster Spielfilm. Er gewann rund 20 Preise, darunter den Silbernen Löwen bei den Filmfestspielen von Venedig. Bei den Japanischen Filmpreisen erhielt das "Zatoichi"-Reboot fünf Preise (für Kamera, Beleuchtung, Schnitt, Musik und Ton) und war für weitere vier nominiert, darunter als "Bester Film".

Ein amerikanischer Zuschauer lobt: "Der Film zeichnet sich aus, weil er mit Konventionen bricht und Humor, Tanz, Slapstick und Theater mit einer ansonsten spannenden und brutalen Handlung mischt. Takeshi Kitano gebührt Anerkennung, weil er etwas Neues und Innovatives erschaffen hat, selbst mit einer alten Geschichte wie dieser."



"Der letzte Scharfschütze", ARD, 01:15 Uhr:
Ein sterbender Scharfschütze (John Wayne) versucht, mit einem Minimum an Schmerzen und einem Maximum an Würde seine letzten Tage zu überstehen.

Ein Film über eine Legende, mit einer Legende - beides kaum voneinander zu trennen. Als im Prolog Szenen aus dem Leben des Scharfschützen J.B. Brooks gezeigt werden, sind das Bilder aus alten John Wayne-Western. Und das Ende einer Western-Ära Anfang des 20. Jahrhunderts, das der Film beschreibt - Brooks fährt zum finalen Showdown mit der Straßenbahn, und die ersten Autos fahren herum - spiegelt sich im Ende der Westernfilm-Ära. Die großen Zeiten des Genres waren 1976 vorbei, und Wayne war wie die Figur, die er verkörperte, ein kranker Mann.

Bereits 1964 war bei dem Kettenraucher, der sechs Packungen Zigaretten täglich konsumiert hatte, Lungenkrebs diagnostiziert worden. In der Folge mussten ihm die linke Lunge und einige Rippen entfernt werden. Paramount Pictures wollten den damals 68-Jährigen nicht besetzen, weil sie Zweifel an seiner Gesundheit hatten. Sie bevorzugten George C. Scott. Aber Wayne machte den Film, der auf dem gleichnamigen Roman von Glendon Swarthout aus dem Jahr 1975 basierte, zu seiner persönlichen Mission und focht für die Rolle, von der er vielleicht ahnte, dass sie sein Schwanengesang werden würde. "Eine der wenigen Gelegenheiten, wo ein Star und das Publikum sich voneinander verabschieden können", schrieb in der Retrospektive der Journalist Rob Thomas.

Und viele Schauspieler würden sich einen so starken Abgang wie diesen melancholischen und berührenden Western, den Don Siegel ("Dirty Harry") in Szene setzte, wünschen. Insbesondere John zeigt eine nuancierte, nicht überzogen gespielte Leistung, die von der Kritik ebenso gewürdigt wurde wie der Film selbst, dem an den Kinokassen allerdings kein großer Erfolg beschieden war.

Der Film erhielt eine "Oscar"-Nominierung für die "Besten Kulissen", eine Nennung bei den Golden Globes für Ron Howard als "Bester Nebendarsteller" und eine Nominierung für Lauren Bacall bei den Britischen Filmpreisen als "Beste Hauptdarstellerin".

Ein amerikanischer Zuschauer meint: "Für mich ist dieser Film etwas Besonderes, denn man sieht in Echtzeit, wie eine sterbende Ikone Abschied nimmt. Ob man Wayne nun mag oder nicht - wenn man nicht emotional berührt ist, diese Legende ein letztes Mal auf der Leinwand zu sehen, dann tut es mir leid."

"The Shootist" blieb John Wayne's letzter Film, genau 50 Jahre nach Karrierebeginn. Drei Jahre später starb der Schauspieler an Krebs.

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